Afghanistan-Rückkehrer ums Leben gekommen

Ein afghanischer Asylantragsteller, der letztes Jahr in unserem Land abgewiesen wurde und nach Afghanistan zurückging, ist jetzt tot. Das sagt ein Freund von ihm. 2009 hatte er Asyl in Belgien beantragt. Seine Anträge wurden jedoch jedes Mal abgelehnt.

Letztes Jahr ist er nach Afghanistan zurückgegangen. Das Anwaltsbüro Progress Lawyers Network sagt, dass es einen Hinweis darauf gebe, dass er gezielt getötet worden sei und dass Afghanistan kein sicheres Land sei.

Der Anwalt Ivo Flachet betont: Wir sind natürlich geschockt. Wir haben so etwas noch nicht oft mitgemacht und denken, dass diese Sache zeigt, dass man aufhören muss, die Flüchtlinge in ein Kriegsland - und das ist Afghanistan doch - zurückzuschicken."

Auf die Frage, ob man damit ganz aufhören sollte, sagte Flachet noch: "Wir sind der Meinung, dass das die einzige Möglichkeit ist. Wir sind damit nicht allein. Auch die Flüchtlingsorganisation der UN sagt eindeutig, dass man sehr vorsichtig sein muss und dass man eigentlich nicht abschieben kann, es sein denn dass man in der Tat das Risiko auf sich nehmen will, so etwas passieren zu lassen."

Nicht opportun, Abschiebung in Kriegsländer systematisch zu verweigern

Der Flüchtlingskommissar Dirk Van den Bulck, betonte wiederum am Dienstagmorgen im VRT-Radio: Der Afghane, der nach der Ablehnung seines Asylantrags in Afghanistan getötet worden sei, sei freiwillig leztes Jahr in sein Heimatland zurückgekehrt. "Die Umstände, die zum Tod führten, sind noch nicht geklärt, aber das ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass die Politik überdacht werden muss", so der Flüchtlingskommissar. "Belgien ist sehr vorsichtig in der Beurteilung der Asylanträge. Jede Akte wird genauestens studiert und die Situation in Afghanistan ist sehr detailliert untersucht worden."

Van den Bulck ist überzeugt, dass es nicht opportun sei, systematisch die Abschiebung der Asylantragsteller in Länder, in denen Krieg herrscht, zu verweigern. "Wir müssen jedes einzelne Land beurteilen und die tatsächliche Situation vor Ort in Betracht ziehen", erklärte er. "Die Situation in Syrien ist eine total andere als in Afghanistan. Für Syrien erreichen die Anträge, die angenommen werden, 95%, aber die Situation in Afghanistan ist eine andere."