"Zwarte Piet": Eine rassistische Tradition?

Wenn der Nikolaus am 6. Dezember den Kindern seine Gaben bringt, wird er bei seiner Arbeit unterstützt und zwar zumeist von Knecht Ruprecht, dem auch Hans Muff genannten schwarzen Helfer. In den Niederlanden und in Flandern wird er „Zwarte Piet“ genannt, steht aber unter Beschuss. Nach Ansicht von UN-Vertretern ist diese Tradition rassistisch und erinnert an die Zeit der Sklaven.

Die Tradition des „Zwarte Piet“ steht in den Niederlanden schwer als rassistisch unter Beschuss und jedes Jahr, wenn sich der 6. Dezember einstellt, der Tag des heiligen Nikolaus, dann melden sich die Vertreter der politischen Korrektheit zu Wort und verdammen die Tradition des schwarz geschminkten Helfers vom Nikolaus. Jetzt haben diese Proteste eine neue Dimension erhalten, denn es beugt sich eine Kommission der Vereinten Nationen über das Thema, allen voran die Vorsitzende des Ausschusses, die Jamaikanerin Verene Scheper. Sie wirft den Niederlanden vor, eine Tradition hochzuhalten, die rassistisch sei und an die Sklaverei erinnere. So etwas sei im 21. Jahrhundert nicht mehr tragbar.

Dieser „Zwarte Piet“ gehört in den Niederlanden, bei uns in Flandern und auch in grenznahmen Teilen von Nordfrankreich zu der Tradition des Nikolausfestes. Doch ist hier wirklich von Rassismus und von Versklavung eines Helfers die Rede? Die Anhänger der Tradition, zum Beispiel in der flämischen Heimstadt des heiligen Nikolaus, in Sint-Niklaas, halten von der Diskussion um den „Zwarte Piet“ gar nichts, denn sie sind der Ansicht, dass es sich hierbei gar nicht um einen schwarzen Jungen handelt. Die Haut des „Zwarte Piet“, der schließlich auch ein lustiger und freundlicher Geselle ist (und kein dunkler böser Hans Muff oder Knecht Ruprecht, wie in Teilen des deutschsprachigen Raums), gilt auch als Clown. Und er kommt durch den Schornstein in die Kinderzimmer, um die Geschenke das Nikolaus dort zu hinterlegen. Deshalb ist er ja auch so schwarz, denn in Schornsteinen gibt es ja bekanntlich schwarzen Ruß.

Doch an diese Geschichte mögen viele in den Niederlanden nicht so recht glauben. Der niederländische Journalist Prem Radhikishun z.B. ist der gleichen Ansicht, wie die UN-Vertreterin Verene Scheper aus Jamaika. Der „Zwarte Piet“ ist für ihn ein Relikt aus der Kolonialzeit und gehört verboten. Jozef De Witte, der Vorsitzende des belgischen Zentrums Chancengleichheit und gegen Rassismus (eine Regierungseinrichtung), hält von einem Verbot nicht viel, ist aber sehr wohl der Überzeugung, dass man bestimmte Volksbräuche, so traditionsreich sie auch manchmal sein mögen, auch mal hinterfragen sollte. Doch dies brauche seine Zeit, so De Witte, der sich mit der strengen Vorgehensweise der Kultur- und Brauchtumspfleger der Vereinten Nationen im fernen New York so gar nicht anfreunden kann. Sie haben in erster Linie die Niederlande im Visier, denn dort klagte eine farbige Frau gegen den „Zwarte Piet“. Das es den auch in Belgien gibt, haben sie dort noch nicht bemerkt. Wenn der heilige Nikolaus in Begleitung seiner „Zwarte Pieten“ in der Nikolauszeit mit seinem Schiff im Hafen von Antwerpen anlegt, werden ihm wieder tausende Kinder zujubeln und seine lustigen Helfer werden Süßigkeiten verteilen. Das Ganze wird übrigens von unserem Haus, dem flämischen Rundfunk VRT, live im Fernsehen übertragen…