Kann das Dorf Doel doch weiterleben?

Seit vielen Jahren schwebt über dem Dorf Doel in der Nähe von Antwerpen das Damoklesschwert. Eigentlich soll der Ort dem Ausbau des Antwerpener Hafens zum Opfer fallen, denn dort soll das so genannte „Saeftinghedock“ entstehen. Die meisten Bewohner wurden bereits enteignet und zogen weg, doch einige harren weiter aus und werden von Hausbesetzern unterstützt. Jetzt keimt neue Hoffnung auf.

Der Auditor des Staatsrates empfiehlt, den Raumordnungsplan für das auf dem Gebiet der Ortschaft Doel zu bauende „Saeftinghedok“ auszusetzen. Die übrig gebliebenen Bewohner des Polderdörfchens und die Aktionsgruppe Doel2020 hatten beim Staatsrat in Brüssel gegen diesen Raumordnungsplan geklagt.

Der Staatsrat folgt meist den Empfehlungen des Auditors und deshalb herrscht in Doel jetzt Hoffnung. In den kommenden Tagen wird die Sache besprochen und spätestens im Dezember spricht der Staatsrat sein Urteil zu dem Vorgang aus. Falls dieser Raumordnungsplan ausgesetzt wird, so der Anwalt von Doel2020, gilt die Ortschaft weiterhin als Wohngebiet.

Das Antwerpener Hafenunternehmen hingegen warnt vor diesem Schritt und kündigt an, dass dies schwerwiegende Folgen haben werde. Dies hätte zum Beispiel zur Folge, dass die Pläne zum Ausbau des Hafens jahrelange Verspätung haben würden, denn das neue Dock könnte dann nicht gebaut werden.

Laut Hafenunternehmen melden Reedereien, die sich am „Saeftinghedock“ niederlassen wollen, Rechtssicherheit und diese sei mit einem ausgesetzten Raumordnungsplan nicht mehr gegeben.

Dies wiederum würde einige millionenschwere Investitionen in den Hafen in Frage stellen, was im internationalen Wettbewerb zwischen den Nordseehäfen kein gutes Zeichen sei, hieß es dort.

Doch bei den vielen Gegnern des Projekts herrscht jetzt vorsichtige Freude. Neben den Einwohnern von Doel gehören zur Aktionsgruppe Doel2020 auch die Gemeinden Beveren, Sint-Gillies-Waas, die Polderbehörde für die Ortschaften Doel, Ouden Doel und Rapenburg (eigentlich drei idyllische Polderdörfer in einer naturschutzwürdigen Gegend) und auch der Energieproduzent Electrabel (der Betreiber des nahegelegenen Kernkraftwerks Doel) und die landwirtschaftliche Gilde der Region.

Grund für die Aussetzung des Raumordnungsplans der Provinz Antwerpen ist unter anderem eine Verletzung der Richtlinie zum Vogelschutz und die europäische Habitat-Regelung zum Schutz von Anwohnern von schutzwürdigen Naturgebieten.

Die Kläger schöpfen auch Mut aus der Tatsache, dass aus den gleichen Gründen vor kurzem auch der Raumordnungsplan zum Bau einer neuen Autobahn, der geplanten so genannten Nord-Süd-Verbindung durch die Provinz Limburg, ausgesetzt wurde.