Ford Genk: 1 Jahr nach der Schließung

Auf den Tag vor einem Jahr kündigte der US-amerikanische Automobilkonzern Ford an, sein Werk in Genk Ende 2014 zu schließen. Ein Jahr nach dieser Hiobsbotschaft ist die Zukunft vieler Ford-Genk-Arbeitnehmer ungewiss.

Bereits im Sommer 2012 tauchen Gerüchte über eine mögliche Schließung des Ford-Werks in der Provinz Limburg auf. Der US-Konstrukteur will den Umsatzrückgang in Europa und die Überproduktion bekämpfen.

Ford-Genk glaubt dennoch nicht an das Schlimmste. Schließlich soll doch das neue Mondeo-Modell ab Oktober 2013 in Genk montiert werden. Als am 22. Oktober jedoch ein außergewöhnlicher Betriebsrat angekündigt wird, schlägt das Aus für Ford-Genk wie eine Bombe ein.

Stecker raus und heftige Proteste in Köln

Ende 2014 will Ford den Stecker aus der Fabrik ziehen. 4300 Arbeiter und Angestellte von Ford selbst und 1305 Mitarbeiter bei den vier wichtigsten Zulieferern (SML, Lear, Syncreon und IAC) verlieren ihren Job.

Die Produktion der neuen Modelle wird nach Valencia verlegt.

Die Arbeitnehmer besetzen das Werk in Genk und nehmen fertig montierte Fahrzeuge als Pfand bei den Verhandlungen mit der Ford-Leitung.

Eine Protestaktion der Gewerkschaften am 7. November am Ford-Werk in Köln gerät außer Kontrolle. Deutsche Polizisten werden verletzt, Arbeiter aus Genk festgenommen.

Sozialplan

In Flandern selbst erstellt die Regierung einen strategischen Sanierungsplan für Limburg, der den Wegfall der Automobilindustrie in der östlichen Provinz auffangen soll.

Ende 2012 einigen sich die Gewerkschaften und die Unternehmensleitung auf einen Sozialplan, um die Arbeit in dem besetzten Werk wieder aufnehmen zu können. Aber erst Ende Januar wird der Vorschlag von den Arbeitnehmern abgesegnet und kann die Produktion bis zur definitiven Schließung wieder aufgenommen werden.

Einen weiteren Durchbruch erzielen die Gewerkschaften am 15. März, als die Arbeitnehmer von Ford Genk und den Zulieferanten SML und Lear die sozialen Begleitmaßnahmen verabschieden.

Am 16. Mai, nach der Unterzeichnung des Abkommens, werden die Streikposten am Werkseingang abgezogen. Vier Wochen später unterzeichnen auch die Arbeitnehmer bei den Zulieferanten einen ähnlichen Sozialplan. Und auch für die von der Schließung betroffenen Angestellten werden soziale Maßnahmen erarbeitet.

Von 800 nach 500 Wagen täglich

Auf dem Weg zur Werksschließung Ende 2014 produziert Ford Genk nur noch 500 anstatt 800 Wagen täglich. Die Arbeitszeit wird von drei auf zwei Schichten reduziert.

Am 22. Juli hat die offizielle Kündigungsfrist für die Arbeitnehmer von Ford Genk begonnen. Ca. 450 Mitarbeiter haben den Betrieb freiwillig verlassen und im Gegenzug eine Prämie, eine Outplacement-Betreuung und eine Dispositionsvergütung erhalten.

Die belgische Beschäftigungsministerin Monica De Coninck verabschiedet die Umstrukturierungsstrategie am 12. September. Ford-Genk-Mitarbeiter können ab 52 Jahre in Frührente gehen.