Britische Bank hat 2.500 Belgiern bei Steuerbetrug geholfen

Die britische Investmentbank HSBC hat knapp 2.500 Belgiern geholfen, Geld in Steuerparadiese umzuleiten. Der Finanzzeitung De Tijd ist eine CD-Rom in die Hände gefallen, auf der sich die Daten von Kunden dieser Bank befinden. Bei den Kunden handele es sich laut der Zeitung unter anderem um Diamentenhändler, Industrielle und den Staatsminister Roger Lallemand von der PS. Die belgische Justiz ermittelt schon geraume Zeit gegen diese Bank.
AP2013

Wer ein Konto im Ausland hat, muss das dem Finanzamt in Belgien melden. Oft erfolgt das aber nicht. Einige Banken helfen sogar ihren Kunden, Schwarzgeld zurück nach Belgien zu schleusen. Das alles erfolgt diskret und unverdächtig.

Der Staatssekretär für Bertrugsbekämpfung John Crombez (kleines Foto) will verschärft gegen Banken vorgehen, die ihren Kunden bei Steuerbetrug helfen.

Das sei alles schön und gut, sagt Jean Claude Delepière, der Leiter der Abteilung gegen Geldwäsche in unserem Land in einem Interview in der Zeitung De Morgen. Trotzdem stünden wir solchen Stuerbetrugs-Fällen oft machtlos gegenüber, vielleicht auch im Fall HSBC.

Laut Delepière müsse vor allem auf europäischer Ebene gegen Betrug vorgegangen werden. Bei den Ermittlungen, die derzeit gegen Kunden von HSBC laufen, taucht auch der Name des inzwischen 81-Jährigen französischsprachigen Sozialisten Roger Lallemand auf. Der Politiker will sich jedoch hierzu erst einmal nicht äußern.

"Eigentlich ist das einfach kriminell", reagiert der Staatsminister für Betrugsbekämpfung Crombez noch auf den Fall HSBC. "Die Tatsache, dass sie das alles heimlich gemacht haben, zeigt, dass sie wussten, dass das verkehrt war und trotzdem haben sie das schön geredet. Wir müssen den Banken, die da mitmachen, Sanktionen auferlegen", reagierte Crombez.

Er will alles tun, um die Betrüger zu bestrafen, aber das Problem liege bei der Justiz, so Crombez. "Ich habe große Mühe, um Betrüger vor Gericht zu bringen, weil ich derzeit nicht weiß, ob das Gericht auf eine schnelle und ähnliche Art und Weise gegen die Betrüger vorgeht", so der Staatssekretär am Samstag gegenüber dem VRT-Radio.

Als Reaktion auf das Interview mit Jean-Claude Delepière in De Morgen sagte Crombez noch, dass er nicht so mutlos wie Delpière werden wolle. "Wir müssen wietermachen. Ich gebe mich nicht damit zufrieden, dass der Kampf verloren ist. Wir sind dabei, Gesetze zu veränderen. Kleine Verfahrensfehler können nicht mehr einfach zu einem Freispruch führen . Wir werden auch Strafrichter einsetzen, die sich auf Steuerbetrug spezialisiert haben."

Wie viel Geld bei den Menschen auf besagter Steuerbetrugs-Liste inzwischen schon wieder eingetrieben worden ist, wollte Crombez nicht sagen. Auf der Liste stehen übrigens neben dem PS-Politiker Roger Lallemand, der 20 Jahre lang im Senat saß und Ende der 80er Jahre eine Zeit lang Senatsvorsitzender war, auch der Diamantenhändler Maurice Fischler und der Konzertveranstalter Paul "Boogie Boy" Ambach.