Belgiens neuer Bahnchef gibt weiteren Posten ab

Belgiens neuer Bahnchef Jo Cornu wird sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Energieunternehmens Electrawinds aufgeben. Gegenüber der Wirtschaftszeitung De Tijd gab Cornu an, beide Ämter seien nicht miteinander kombinierbar. Cornu stand seit seiner Ernennung als neuer Bahnchef wegen seiner anderen Posten unter Beschuss.
BELGA/WAEM

Jo Cornu, der am 15. November das Amt des Chefs der belgischen Bahngesellschaft NMNS/SNCB antritt, gibt den Vorsitz des Verwaltungsrates des Energieunternehmens Electrawinds ab. Electrawinds mit Sitz in Ostende ist auf regenerative Energie und wie der Name schon andeutet, auf Windkraft spezialisiert. Ursprünglich wollte Cornu auch als neuer Bahnchef gerade dieses Amt beibehalten, doch inzwischen scheint ihm klar geworden zu sein, dass es unmöglich sein würde, beide Posten gleichzeitig zu besetzen. Er wird sich von Electrawinds einige Tage vor seinem Antritt bei der Bahn verabschieden.

Dessen Nachfolger bei Electrawinds wird Paul Desender, der Bruder des Unternehmensgründers Luc Desender. Jo Cornu ist Mitte September überraschend für das Amt des neuen Bahnchefs benannt worden, nachdem der ursprüngliche Kandidat Frank Van Massenhove aus gesundheitlichen Gründen verzichten musste. Doch Cornu stand von Anfang an in der Kritik, weil er u.a. gleich mehrere Verwaltungsratsposten auf sich vereinigte. Er hat aber auch Erfahrungen im Managementbereich beim Telekomriesen Alcatel, bei Foto- und Filmkonzern Agfa Gevaert und eben bei Electrawinds sammeln können. Die Gewerkschaften bezweifeln allerdings sein können, da er vom Thema Eisenbahn wohl kaum eine Ahnung hat. Ob so jemand die marode belgische Bahn wieder vernünftig ans Laufen bekommt, ist in ihren Augen fraglich.