Brüssel: Thielemans gibt sein Amt auf

Der frankophone Sozialist Freddy Thielemans (69) ist seit 2001 Bürgermeister der belgischen Hauptstadt Brüssel. Wie jetzt bekannt wurde, gibt Thielemans am Montagabend bei der anstehenden Sitzung des Brüsseler Stadtrates seinen Rücktrott bekannt. Thielemans gilt als volksnah und fröhlich, scheint jedoch Amtsmüde zu sein.

Mehr als 12 Jahre lang war Freddy Thielemans das Gesicht von Brüssel. Bürgernah, stets zu Scherzen aufgelegt, immer besorgt um das Wohlergehen seiner Stadt, streitbar und einem Gläschen bei den einen oder anderen Fest war er ebenfalls nur selten abgeneigt.

Jetzt ließ er durchblicken, dass er Platz für jüngere Kollegen im Stadtrat und in seiner Partei machen will. Und ein Nachfolger scheint ebenfalls bereits in den Startlöchern zu stehen. Das könnte Yvan Mayeur, der langjährige Vorsitzend des Brüsseler Sozialamtes sein. Mayeur soll die Geschicke der Stadt offiziell ab Mitte Dezember übernehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt soll Thielemans das Amt zumindest noch kommissarisch bekleiden.

Das sich Freddy Thielemans aus dem politischen Leben in Brüssel zurückziehen will, ist nicht wirklich überraschend, denn gleichlautende Gerüchte kursieren schon länger. Dies ist auch der Grund, warum nicht wenige politische Akteure in der Hauptstadt den Schritt Thielemans‘ scharf kritisieren. Sie werfen ihm Wahlbetrug vor und stellen die Frage, warum er sich denn bei den Kommunalwahlen im Herbst 2012 als Spitzenkandidat habe aufstellen lassen.

Die Bilanz von Freddy Thielemans ist zweigeteilt. Zum einen hat der deutliche Verdienste um das nationale und internationale Ansehen seiner Stadt vorzuweisen. Die Brüsseler Innenstadt ist wieder schöner geworden und wartet seit den letzten Jahren mit einer Vielzahl publikumsträchtiger Veranstaltungen auf, wie den Weihnachtsmarkt, den improvisierten Badestrand „Brüssel Bad“ in der Kanalzone im Sommer, Open Air-Konzerte an den Feiertagen und die Wiederbelebung alter Bräuche, um nur einige zu nennen.

Doch zum anderen fehlen weiter spürbare Konzepte im Bereich Schule und Ausbildung und der Kampf gegen die Armut in der Metropole hat ebenfalls kaum nennenswerte Fortschritte gemacht, wie Thielemans selbst zugibt. Und doch werden viele Thielemans vermissen, denn sein designierter Nachfolger Yvan Mayeur ist eher ein sachlicher Typ und weniger Volksnah. Doch er, als Kenner der sozialen Strukturen der Stadt, hat vielleicht bessere Konzepte in petto, als sein jovialer Vorgänger.