Parlamentarier Wesphael bleibt in Haft

Der wallonische Parlamentsabgeordnete Bernard Wesphael ist vor der Ratskammer in Brügge erschienen. Die hat entschieden, dass Wesphael weiterhin in Haft bleiben müsse. Wesphael wird verdächtigt, seine Frau Véronique Pirotton Ende letzter Woche getötet zu haben. Seine Anwälte hatten am Dienstag per Fax neue Elemente des Autopsieberichts zu sehen bekommen. Sie plädierten auf Freispruch aufgrund der Immunität, die Wesphael als Parlamentarier genießt.

Ein Parlamentarier kann in Belgien nur verhaftet werden, wenn er auf frischer Tat ertappt wird. Und das sei hier nicht der Fall gewesen, so einer der beiden Anwälte von Wesphael, Steven Henderickx.

Trotzdem hat die Ratskammer am heutigen Dienstagmittag befunden, dass der 55-jährige Lütticher Bernard Wesphael weiterhin in Haft bleiben müsse.

Wesphael und seine Frau waren vergangenen Donnerstag in einem Hotel in Ostende gewesen. Laut dem Mitbegründer der Grünen-Partei Ecolo hätten er und seine Frau an dem Tag gestritten. Danach sei es zu einem Handgemenge gekommen. Wesphael sei schlafen gegangen und habe seine Frau später wie er sagt tot im Badezimmer aufgefunden. Wesphael behauptet, Pirotton habe Selbstmord begangen. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm jedoch nicht und hat den Politiker wegen des Verdachts auf Mord festnehmen lassen.

Jean-Philippe Mayence und Steven Henderickx, die Anwälte des Verdächtigen, waren erstaunt darüber, dass ihnen bis zum heutigen Dienstag noch kein Autopsiebericht vorgelegen habe. Am Dienstag wurden sie plötzlich wieder in den Gerichtssaal gerufen und bekamen ein Autopsie-Gutachten zu sehen - zehn Zeilen, aber ohne Bericht. Die Anwälte wiesen darauf hin, dass die Spuren von Gewalt an der Leiche auch eine andere Ursache haben könnten. Auch die Todesursache sei in dem Bericht nicht aufgeführt, erklärten die Anwälte noch vor der Entscheidung der Ratskammer am Dienstagmittag.

Bernard Wesphael soll im Interesse der Ermittlungen noch mindestens einen Monat in Haft bleiben, hat die Ratskammer geurteilt. Die genaue Todesursache der Frau müsse noch herausgefunden werden, heißt es. Die Verteidigung will gegen das Urteil in Berufung gehen. In zwei Wochen wird die Anklagekammer in Gent über einen weiteren Haftbefehl urteilen.