Ärzte fordern Sterbehilfe auch für Minderjährige

16 Kinderärzte aus Belgien fordern in einem offenen Brief, dass das Euthanasie-Gesetz in unserem Land auch auf Minderjährige ausgeweitet wird. In ihrer täglichen Arbeit, so die Mediziner, begegnen ihnen bittere Fälle, die nach einem solchen Schritt regelrecht rufen. Derzeit wird dieses Thema im Senat, der Zweiten Kammer des belgischen Bundesparlaments, besprochen.

Die Diskussion um Sterbehilfe für Kinder und Minderjährige in Belgien ist nicht neu. Vor allem auf politischer Ebene wird darüber schon lange debattiert, wie gerade jetzt auch im Senat. Doch Ärzte fordern endlich einen gesetzlichen Rahmen für ein Problem, zu dem viele eine dezidierte Meinung haben.

Die 16 Mediziner, die einen entsprechenden offenen Brief an diesem Mittwoch in der flämischen Tageszeitung De Morgen veröffentlichten, sprechen eine offene Sprache: „Jedes Beenden eines Lebens ist eine menschliche Tat, die nur in allerletzter Instanz in Frage kommt. Warum soll man Minderjährigen diese ultimative Möglichkeit verweigern?“

„Die Erfahrung lehrt, dass Minderjährige im Falle von ernsthafter Krankheit und dem nahenden Sterben schneller reifen und zwar in einem Maße, dass sie manchmal das Leben besser einschätzen können, als gesunde Erwachsene. Man sollte also eher deren ‚mentales Alter‘ in Erwägung ziehen, als ihr ‚Kalenderalter‘“, argumentieren die Autoren des offenen Briefes.

Nach Ansicht der Ärzte ist es völliger Unsinn, dass mit solchen Vorgängen leichtsinnig umgesprungen würde, wenn das entsprechende Gesetz in diesem Sinne angepasst werden sollte: „Sterbehilfe kommt erst in allerletzter Instanz ins Bild. Immer. Für den Patienten, für seine Familie, für die begleitenden Pfleger und Ärzte.“ „Bevor Eltern einem Arzt die Frage stellen, ob es nicht besser ist, dass ihr Kind nicht weiterlebt, haben sie bereits einen entsetzlich langen Weg hinter sich.“, sagte Gerland Van Berlaer, einer der 16 Autoren des offenen Briefes gegenüber De Morgen.

Sterbehilfe bei Kindern ist in Belgien derzeit illegal. Aber es kommt vor, auch wenn präzise Zahlen nicht vorliegen. Eine entsprechende Rundfrage bei der Freien Universität Brüssel (VUB) und bei der Universität von Gent (UGent) belegt, dass es in den vergangenen anderthalb Jahren in Belgien zu 13 Fällen von Sterbehilfe bei Minderjährigen gekommen ist. Dabei ging es um Kinder und Jugendliche im Alter von einem bis 17 Jahren.

Die Politik muss reagieren

Das Thema ist in der Regierungskoalition auf belgischer Bundesebene umstritten. Ein Antrag auf Gesetzesanpassung in diesem Sinne wurde von den Mehrheitsparteien SP.A und PS (Sozialisten), sowie Open VLD und MR (Liberale) eingereicht. Deren konservative und christdemokratische Koalitionspartner CD&V und CDH lehnen diesen Schritt hingegen ab. Aber mit den Stimmen der flämischen Nationaldemokraten N-VA aus der Opposition, die den Antrag in Teilen nicht abgeneigt sind, könnte der Vorschlag angenommen werden.