Munition aus dem 1. WK vor Heist giftiger als gedacht

Auf der Müllhalde mit Munition aus dem Ersten Weltkrieg vor der Küste von Heist lagern fast ausschließlich Giftgasgranaten. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Bislang wurde angenommen, dass die Giftgasgranaten nur ein Drittel des Terrains einnehmen würden.

Auf der Sandbank Paardenmarkt (dt.: Pferdemarkt) befindet sich eine wichtige Lagerungsstelle von Kriegsmunition aus dem I. Weltkrieg. Dort ist Fischen oder den Anker auswerfen verboten, weil große Mengen an Granaten, die teilweise Giftgas enthalten, auf und im Boden liegen. Schätzungsweise 35.000 Tonnen Munition ruhen auf der Sandbank.

Bislang hatte man angenommen, dass ein Drittel des Depots aus Giftgasgranaten bestehe. Neueste Studien von Dr. Luc Vandeweyer (Staatsarchiv) und Dr. Tine Missiaen (Universität Gent) haben jedoch ergeben, dass die gelagerte Munition "höchstwahrscheinlich nahezu vollständig aus Giftgasgranaten besteht".

Die Studien wurden auf der Grundlage der bis dahin noch nicht untersuchten Akten der Leitung des Meereswesens, der zuständigen Abteilung bei der Armee und des Kabinetts des damaligen belgischen Kriegsministers Masson erstellt.

Chemische Munition war am gefährlichsten und  konnte an Land nicht kontrolliert gesprengt werden. Die Gefahr, dass Dämpfe durch den Wind unkontrollierbar weitergeblasen würden, waren zu groß.

Der Paardenmarkt wurde als idealer Lagerplatz ausgewiesen, weil es sich um eine "banc absorbant" (eine absorbierende Sandbank) handelt, in der die Granaten einsinken und schnell unter dem Schlick verschwinden.

Das Lager ist nur knapp 500 Meter vom Strand entfernt und es ist fast unmöglich dieses zu leeren. Ein Bagger ist nötig, um die Granaten herauszuschaufeln. Wissenschaftler machen sich aber kaum Sorgen. Das Lager sei geschützt unter einer Lage Sand begraben. Der Zustand werde gut beobachtet. Bislang habe es noch keine Lecks gegeben, heißt es.