Synagoge in Brüssel gedenkt der Reichskristallnacht

In der großen Synagoge von Brüssel hat die Jüdische Gemeinschaft den 75. Jahrestag der Reichskristallnacht gedacht. An diesem Samstag vor 75 Jahren wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November in ganz Deutschland Juden überfallen und Synagogen angezündet. Der Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy nahm an der Gedenkfeier teil.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, fünf Jahre nach der Machtergreifung Hitlers, wurden 1.000 bis 2.000 Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte überfallen und Häuser zerstört. 400 Juden wurden ermordet. 

Mit den Novemberpogromen 1938 - Ausschreitungen und Morde fanden auch in den Tagen vor und nach dem Datum statt - begann die systematische Vertreibung, Enteignung und Vernichtung der Juden aus Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus. Für viele war das Datum der Beginn des Holocausts.

Fredy Goldberg (großes Foto), damals 8 Jahre, war in dieser Nacht in Berlin und erinnert sich. In der Synagoge hat er am gestrigen Donnerstag seinen Augenzeugenbericht vorgetragen: "Die ersten Steine fielen im Esszimmer, sie zertrümmerten die Fenster im ganzen Haus. Sie waren in Papier eingewickelt auf dem stand: 'Dreckiger Juder, wir werden Dich ermorden'."

Der Name Kristallnacht stammt aus der Umgangssprache. Er entstand wahrscheinlich in Berlin und spielt auf die zertrümmerten Scheiben vieler Fenster an, deren Scherben überall auf der Straße lagen. Fredy Goldberg erlebte die angstvollste Nacht seines Lebens. Zehntausende Juden wurden in dieser Nacht deportiert.

75 Jahre später ist der Antisemitismus noch nicht verschwunden. Julien Klener, der Vorsitzende des jüdischen Konsistoriums in Belgien, betonte im VRT-Fernsehen: "In einigen Gegenden in Brüssel kannst Du nicht mit einer Kippa auf dem Kopf spazieren gehen, sonst bekommst Du grobe Dinge an den Kopf geworfen oder Schlimmeres."

Wir müssen achtsam bleiben. Das ist der Inhalt der Mehrzahl der Reden. Auch einige belgische Minister und der Präsident des Europäischen Rates Herman Van Rompuy waren zur Gedenkfeier in die Synagoge gekommen.

"Wir müssen uns jeden Tag daran erinnern. Wir müssen gegen die Verbrechen vorgehen. Es ist unsere politische und moralische Pflicht, als Vorsitzender und als Mensch, denn Antisemitismus ist wie Rassismus ein Verbrechen", sagte Van Rompuy vor der jüdischen Gemeinschaft in der Synagoge am Donnerstagabend.