Justiz mit 75 Mio. Euro im Zahlungsverzug?

Ein Gerichtsmediziner aus Kruishoutem wird, wie er selbst sagt, schon seit eineinhalb Jahren nicht oder kaum für seine Arbeit für die Justiz bezahlt. Er ist offenbar kein Einzelfall. Der Zahlungsverzug der Justiz soll 75 Millionen Euro betragen. "Ich bin froh, dass ich über das Sozialamt an Nahrungsmittelgutscheine komme", so der Gerichtsmediziner.

Die Gerichtsmediziner beklagen sich am heutigen Donnerstag mit einem offenen Brief an Justizministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) über die Zahlungsmoral der Justiz. Einer der unzufriedenen Gerichtsmediziner ist Jan Bolt aus Kruishoutem. Er obduziert Leichen, führt klinische Untersuchungen durch und erstellt Berichte für die Justiz. In der Zeitung Het Laatste Nieuws erzählt er, dass er von Nahrungsmittelgutscheinen leben müsse. Er hat sogar extra einen Kredit aufnehmen müssen, um über die Runden zu kommen.

"Ich habe noch 70.000 Euro zu bekommen, aber die Justiz schuldet all meinen Kollegen Geld. Nur die kleinen Rechnungen werden noch bezahlt. Andere Kollegen können auf ihren Lohn von der Universität oder vom Krankenhaus zurückgreifen, aber ich habe kein anderes Einkommen."

Ersparnisse hat er keine mehr. "Die Justiz hat immer sehr schlecht bezahlt. Die Ersparnisse, die ich hatte, sind im Laufe der Jahre verschwunden. In den vergangenen Jahren ist alles viel teurer geworden, während die Unkostenerstattungen für zum Beispiel Reisekosten zurückgegangen sind."

Justizministerin Turtelboom wird am heutigen Donnerstag über den Zahlungsverzug bei der Justiz im Parlament befragt.