„Zug fährt nächstes Jahr langsamer als 1935“

Die belgische Bahn will mit zahlreichen Züge künftig langsamer fahren und das vor allem mit den Zügen, die bisher die schnellsten Verbindungen zwischen belgischen Städten ermöglichten. Das berichtet die Zeitung ‚De Morgen‘ am Samstag. Für die Strecke Brüssel-Antwerpen brauchen Bahnreisende in Zukunft länger als 1935.

Die Zeitung konnten ein noch nicht freigegebenes, 300 Seiten umfassendes Arbeitspapier der Bahn einsehen, mit dem der neue Fahrplan, der im Dezember 2014 in Kraft treten soll, vorbereitet wird. Ins Auge springt, dass zahlreiche Züge langsamer fahren sollen. Momentan beträgt die Fahrzeit für die Strecke Leuven-Mechelen 16 Minuten. In Zukunft soll sich das auf 26 Minuten verlängern. Der Schnellzug Brüssel-Antwerpen braucht ab dann 43 Minuten und ist damit langsamer als 1935.

Andere Änderungen: Wer zum Beispiel von Genk nach Antwerpen will, soll künftig zweimal statt bislang einmal umsteigen müssen. Die direkten Verbindungen zwischen Hasselt und Antwerpen sollen auf ein Minimum beschränkt werden. Der Zug fährt auf dieser Strecken nur noch zweimal täglich in jede Richtung. Sonst müssen die Fahrgäste in Aarschot umsteigen.

Dafür will die belgische Bahn den Flughafen Brüssel-Zaventem aber besser an Bahnhöfe anbinden. Zwischen dem Nationalflughafen und Bruxelles-Zentral soll es sechs statt heute vier Verbindungen in der Stunde geben. Erstmals soll auch Brügge ohne Umsteigen mit dem Zug von Zaventem aus erreicht werden.

Die Bahn wollte die Pläne vorläufig nicht kommentieren, weist aber darauf hin, dass der Bahnvorstand sie noch nicht genehmigt hat.

Bahnkundenverband reagiert

TreinTramBus (dt.: ZugTramBus), die Interessengemeinschaft der Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittelbetriebe, glaubt, die Bahn verlangsame ihre Züge um die zunehmenden Verspätungen in den Griff zu kriegen. Wenn ein Zug laut Fahrplan fünf Minuten länger für eine Strecke brauche, dann könne dieser Zug de facto fünf Minuten Verspätung haben, ohne dass dies als Verspätung in den Statistiken auftauche.

„Wir hatten auf eine Verbesserung gehofft, aber wenn die Informationen der Zeitung stimmen, dann verschlechtert sich die Lage für die Bahnkunden“, erklärt Stefan Stymen, der Vorsitzende des Verbandes. „Die Züge werden nicht schneller. Im Gegenteil: Seit 1990 verlangsamen sie sich und der Trend bestätigt sich.“