Marsch gegen Vergewaltigung in Brüssel

In Brüssel demonstrieren Frauenorganisationen gegen Gewalt an Frauen. Sie wollen, dass die Polizei und die Justiz die Opfer ernst nimmt. Am heutigen Montag ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen.

Hundert Frauen haben am Montag eine Choreografie in Brüssel präsentiert. Sie wollen einen Mentalitätswandel bezüglich Vergewaltigungen. Der Umzug vom Zentralbahnhof zum Justizpalast war Auftakt für die Kampagne "Ich schweige nicht mehr" vom flämischen und dem französischsprachigen Frauenrat in Belgien.

Die hundert Frauen formten zunächst eine Riesenblume am Hauptbahnhof. Danach lief eine lange Frauenschlange still und beschämt in weißen Obberteilen mit Kapuze durch Brüssel. Die Choreografie wurde von Charlotte Vanden Eynde kreiert.

Sowohl Justiz, als auch Polizei und Hilfdienste, aber auch die Frauen selbst, sollen ihre Einstellung bezüglich Vergewaltigungen ändern. "2012 gab es mehr als 8 Vergewaltigungen pro Tag in unserem Land", heißt es bei der Organisation. "Trotzdem bleibt diese Gewalt größtenteils ein Tabu, denn Umfragen ergeben, dass neun von zehn Opfern keine Anzeige erstatten."

Die Schwelle, um zur Polizei zu gehen, liege hoch, sagt eine Demonstrantin, die selbst jahrelang missbraucht worden ist, gegenüber unserem VRT-Radio.

"Du bleibst dann also allein damit zurück. Du kannst auch nicht mit Menschen aus Deiner Umgebung darüber sprechen, denn Du schämst Dich. Du fühlst Dich schuldig." Man werde fast behandelt, als ob man das selbst heraufbeschworen habe, obwohl das absolut nicht so sei.

Die Frauenorganisationen halten die Verfahren für viel zu langwierig und oft genug gingen die Täter frei aus.

Der Frauenrat will die Stille, die bei diesem Thema immer noch herrscht, mit einem besseren Empfang der Opfer bei der Polizei sowie mehr Hilfe und Gerechtigkeit durchbrechen. Vegewaltigungsopfer können auf der Webseite www.ikzwijgnietmeer.be ihre Geschichte anonym erzählen, um die Stille zu durchbrechen. Die Opfer werden auch an Fachkräfte weitergeleitet.

Webseite über Partnergewalt

Eine erste nationale Webseite über Partnergewalt  www.partnergeweld.be ist am Montag anläßlich des internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen ins Leben gerufen worden.

Es ist eine Initiative des Instituts für die Chancengleichheit von Frauen und Männern in Zusammenarbeit mit dem Verband  Wallonien-Brüssel und der flämischen Gemeinschaft.

Ziel dieser Webseite ist es, Opfer, Täter und Zeugen von Partnergewalt besser zu informieren.