Bahn: Pünktlichkeit auf peinlichem Tiefpunkt

Die Pünktlichkeit bei der belgischen Bahn ist auf einen weiteren Tiefpunkt gesunken. Im Oktober hatte jeder fünfte Zug in Belgien mehr als sechs Minuten Verspätung. Nach einem Urteil des EU-Justizhofes muss die Bahn jetzt Fahrgäste auch nach wilden Streiks oder nach durch Wetterumstände entstehenden Problemen entschädigen.

Belgiens neuer Bahnchef Jo Cornu hat es schon an seinen ersten Arbeitstagen nicht leicht. Kaum im Amt treten wieder neue (Un-)Pünktlichkeits-Statistiken in den Vordergrund und das Urteil des EU-Gerichtshofes zur Entschädigung von Fahrgästen auch nach Streik- und Wetterproblemen wird wohl auch kaum für Begeisterungsstürme sorgen.

Belgiens Minister für die staatlichen Unternehmen, Jean-Pascal Labille (PS), gab dazu an, dass die Bahngesellschaft NMBS/SNCB diese Entschädigungen sowohl nach wilden, sprich spontanen und nicht angekündigten Arbeitsniederlegungen von Seiten des Bahnpersonals gelten, als auch nach

Infrastrukturproblemen durch die herrschenden Wetterumstände.
Bahnsprecher Bart Crols gab am Mittwochmorgen dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion bekannt, dass dies sogar rückwirkend in Kraft tritt: „Wenn Verspätungen nach höherer Gewalt entstehen gilt die Regel, dass Entschädigungen dann gezahlt werden müssen, wenn Fahrgäste nicht im Voraus von starken Verspätungen auf ihrem Reiseweg unterrichtet wurden oder werden konnten. Dabei geht es um klimatische Umstände und um Streiks, was in Zukunft unter ‚höhere Gewalt‘ fällt.“

Die aktuelle Pünktlichkeitsstatistik für den Monat Oktober meldet, dass etwa jeder fünfte Reisezug auf dem belgischen Bahnnetz mit mehr als sechs Minuten Verspätung unterwegs ist. Das ist der schlechteste Wert seit Anfang 2011.