Volvo Gent: "Warum BMW für's Parlament?"

Das belgische Bundesparlament muss sparen und dass trifft auch den Fahrzeugpark des Hauses. In Zukunft werden die bisher von den Abgeordneten genutzten Audi A8 durch etwas günstigere BMW 5-Modelle ersetzt. Doch auf diese Meldung reagiert man bei Volvo in Gent enttäuscht und stellt die Frage, warum keine in Belgien hergestellten Autos bestellt wurden.

André Flahaut (PS - kleines Foto), der Vorsitzende der Ersten Kammer im belgischen Bundesparlament, packte gegenüber der frankophonen Wirtschaftszeitung L’Echo unlängst eine großangelegte Sparmaßnahme aus: Die teuren Audi A8-Modelle für die Parlamentsangehörigen würden jetzt durch günstigere BMW der 5er-Reihe ersetzt.

Doch diese Meldung kam bei Volvo Cars in Gent gar nicht gut an. Gemeinsam schrieben die Direktion und die Gewerkschaften des belgischen Autobauers einen offenen Brief an die Abgeordneten in der Kammer.

Darin heißt es u.a. dazu: „Als Bürger dieses Landes begrüßen wir Einsparungen bei den staatlichen Ausgaben. Was uns allerdings überrascht und enttäuscht ist, dass die sich Politik nicht dazu entschließt, ein Unternehmen zu unterstützen, dass seit fast 50 Jahren in Belgien Autos baut und investiert.“

Volvo Cars und die Unterzeichner des offenen Briefes an die Kammer nennen die in Belgien gebauten Volvo-Modelle der Typen S80, S60 (Foto oben), XC60 und V60 Plug-in Hybrid eine „gesellschaftlich vertretbarere Wahl“, denn diese Fahrzeuge würden weniger kosten, weniger verbrauchen und weniger Schadstoffe, wie CO2 ausstoßen.

Signal und Wirkung

Weiter heißt es in dem offenen Brief von Seiten Volvos an das Parlament: „Aber vor allem wäre dies ein Signal an unser schwedisches Mutterhaus, das Jahr ein Jahr aus Millionen in Belgien investiert, an unsere 5.000 Mitarbeiter und an unsere zahlreichen Zulieferer gewesen, wonach man die Autos, die hier gebaut werden, als den Volksvertretern würdig bemessen hätte.“

Am Donnerstagmorgen reagierte zumindest ein Politiker auf den offenen Brief von Volvo an das Parlament. Wouter Beke (Foto), der Vorsitzende der flämischen Christdemokraten CD&V, twitterte am frühen Morgen: „Volvo will das Politiker Vorbild sind und mit #volvo fahren: besser für Flanderns Wirtschaft und besser für Umwelt. Genau deshalb fahre ich mit Volvo!“

"Volvo hat kein Angebot abgegeben"

Kammerpräsident Flahaut reagierte am Donnerstag umgehend auf den offenen Brief von Volvo und gab an, die Marke habe sich für den Auftrag, den parlamentarischen Wagenpark zu erneuern, nicht gemeldet und weder ein Lastenheft angefordert, noch ein Angebot abgegeben.

Insgesamt, so Flahaut, hätten 12 Unternehmen ein entsprechendes Lastenheft angefordert: „Volvo aber nicht, es sei denn vielleicht über eine Zwischenperson.“ Vier davon haben letztendlich ein Angebot eingereicht: BMW, Mercedes-Benz, der belgische Autoimporteur D’Ieteren für Audi und die PSA-Gruppe (Peugeot-Citroën).

BMW sei schlicht und einfach als bester Kandidat in Sachen Preis- und Qualitätsverhältnis aus den vorliegenden Angeboten ausgewählt worden.