Ein Jahr Fyra: Juristischer Streit um Pannenzüge

Vor genau einem Jahr, am 9. Dezember 2011, fuhr der erste Hochgeschwindigkeitszug vom Typ Fyra von Amserdam nach Brüssel. Fyra war ein gemeinsames Projekt der belgischen und der niederländischen Staatsbahn. Doch die in Italien gebauten Züge erwiesen sich als pannenfreudige Peinlichkeit. Fyra-Züge fahren heute nicht mehr. Derzeit ist das Projekt lediglich in Händen von Juristen.

Als der Pfiff zur Abfahrt des Schaffners des ersten Fyra-Zuges am 9. Dezember 2013 in Amsterdam ertönte, glaubten viele in den Chefetagen der belgischen Staatsbahn NMBS/SNCB und der niederländischen Bahngesellschaft NS, dass eine wunderbare neue Zeit angebrochen sei. Am ersten Fyra-Tag lief ja noch alles nach Plan, doch schon am Tag Zwei tauchten die ersten gravierenden technischen Probleme an den Schnellzügen auf.

Züge fielen in Panne oder Fahrten wurden abgesagt und je kälter der Winter wurde, je häufiger traten Schäden auf. Zum Jahreswechsel waren gestrichene Fyra-Züge eher die Regel als die Ausnahme. Am 21. Januar 2013 stoppten die beiden Bahngesellschaften das Projekt und gaben dem italienischen Hersteller AnsaldoBreda drei Monate Zeit, die technischen Probleme zu beseitigen. Ende Mai war noch keine entsprechende Antwort aus Italien gekommen und die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB zog die Notbremse.

Der damalige belgische Bahnchef Mark Descheemaeker erhielt das Mandat vom Verwaltungsrat der NMBS/SNCB, AnsaldoBreda in die Schranken zu weisen. Er löste den Liefervertrag für die Fyra-Züge von Typ 250 auf und verweigerte die Annahme der drei von Belgien in Auftrag gegebenen und bis dahin noch immer nicht ausgelieferten Schnelltriebwagen. Nur kurze Zeit später stieg nach einer entsprechenden Parlamentsdebatte auch die niederländische NS aus dem Vertrag aus.

Juristische Prozedur

Heute sprechen im Fall des Fyra-Debakels nur noch die Anwälte der jeweils betroffenen Parteien miteinander. Die belgische Staatsbahn forderte einen bereits überwiesenen Vorschuss über 37 Mio. € zurück und erhielt dieses Geld auch. Doch fordert die NMBS/SNCB auch einen Schadensersatz von 40 weiteren Millionen von AnsaldoBreda ein.

Die niederländische NS zahlten für die neun erhaltenen der insgesamt 16 zu liefernden Züge 200 Mio. € und fordern dies aus ein. Doch hier schießt der italienische Zughersteller zurück und will, dass die NS die noch ausstehenden 132 Mio. € überweist und die sieben noch bestellten Züge annimmt.

AnsaldoBreda steht das Wasser übrigens bis zum Hals. Aus ganz Europa kamen und kommen Klagen zu erheblichen Qualitätsmängeln bei gelieferten Zügen und Straßenbahnen. Das Unternehmen steht nach gleichlautenden Meldungen von mehreren europäischen Fachzeitschriften für das Eisenbahnwesen kurz vor der Pleite.