Bahnchef mit Siemens-Desiros unzufrieden

Belgiens neuer Bahnchef Jo Cornu hat bei der Erklärung des neuen Fahrplans gegenüber dem Verkehrsausschuss des belgischen Bundesparlaments auch gegen den deutschen Fahrzeuglieferanten Siemens ausgeholt. Nach Ansicht Cornus liegt die Pannenquote der Nahverkehrszüge vom Typ Desiro (Foto) zu hoch. Cornu gab an, Siemens bereits darauf angesprochen zu haben.

Bis spätestens nächstes Jahr soll Siemens das Pannenproblem der Desiro-Züge im Griff haben, so Bahnchef Cornu. Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB bestellte 2008 beim deutschen Schienenfahrzeughersteller Siemens insgesamt 305 Nahverkehrszüge vom Typ Desiro.

150 davon sind bis heute geliefert und in den Fahrplan integriert worden. Wöchentlich liefert das Siemes-Werk in Krefeld (NRW) neue Züge. Der Großauftrag beläuft sich auf mehr als eine Milliarde Euro und ist einer der umfangreichsten Aufträge, die die belgische Bahn je vergeben hat.

Die Anschaffung der Desiros gehört zum Plan, die veraltete Flotte der NMBS/SNCB innerhalb von rund 10 Jahren nach und nach zu ersetzen. Bis 2015 sollen alle Desiros an Belgien ausgeliefert worden sein.

Auch die Einführung der Siemens-Lokomotiven der Baureihen Typ 18 und Typ 19 liefen nicht ganz problemlos, doch mittlerweile haben diese Maschinen alle Kinderkrankheiten durchlaufen und haben alte Loks aus den 1950er und 1960er Jahren weitgehend ersetzen können.

Von Pannen bei Neufahrzeugen kann die belgische Bahn ein Liedchen singen, denn auch die gemeinsam mit der niederländischen Staatsbahn NS beim italienischen Produzenten AnsaldoBreda bestellten Schnellzüge vom Typ Fyra 250 glänzten durch viele Pannen und wurden sogar abbestellt. Doch mit diesem Drama sind die Siemens-Lieferungen nicht zu vergleichen.

Aber, das Problem der Pannen und der technischen Defekte im Fahrzeugpark der belgischen Bahn fordert dringend Lösungen. Bahnchef Cornu gab am Dienstag an, dass die Zahl der Pannen und Ausfälle im Fahrplan „50 % zu hoch liegen“. Die meisten Verspätungen im belgischen Bahnfahrplan sind auf technische Defekte im Fahrzeugpark und im Gleisnetz zurückzuführen.