Sind Flanderns Politiker nur noch Geächtete?

Die flämische Landtagsabgeordnete Fientje Moerman (Foto) von der liberalen Partei Open VLD hat in einem offenen Brief, der am Mittwoch in der Tageszeitung De Standaard erschienen ist, den Umgang mit Politikern im Land kritisiert. Sie wirft den Medien, Politologen und auch den Bürgern vor, Politiker zu Geächteten und zu Aussätzigen zu machen.

„Jedes Land hat seine Unreinen. Die unteren Kasten in Indien und die Politiker in Flandern. In Indien wurden Maßnahmen ergriffen, die Kasten abzuschaffen. Bei uns werden Kasten eingeführt.“ Fientje Moerman (Open VLD) geht in ihrem offenen Brief in De Standaard mit der Gesellschaft und ihrer Herangehensweise an die Politik hart ins Gericht und behauptet, es werde eine Atmosphäre der Angst geschaffen: „Angst, um den politischen Erfolg, vor dem Produkt der ungreifbaren und den sich stets ändernden Normen, die einseitig von weißen Männern zwischen 30 und 50 Jahren diktiert werden, das Phantombild eines durchschnittlichen flämischen Journalisten.“

Fientje Moerman ist auffallend scharf in ihrer Analyse: „Ihre Politiker haben es satt. Natürlich sind wir keine Heiligen, aber dass seid Ihr auch nicht. Natürlich machen wir Fehler, aber die macht Ihr auch.“ Doch was soll passieren, um diese vermeintliche Angst, die Moerman in der politischen Welt spürt, zu verdrängen? Die flämische Liberale erwartet nichts, „Es sei denn ein bisschen Respekt vor unserer Arbeit. Das ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, doch das ist Eure Arbeit auch nicht.“ Moerman rät denen, die sie kritisiert, einmal über ihre Ausführungen nachzudenken. Andernfalls gebe es bald keine Politiker mehr, sondern nur noch „austauschbare Discount-Produkte“.