"Die Hölle von Sousse?"

Der Genter Gefängniswärter Ronny De Smet ist nach über drei Monaten Haft in einem tunesischen Gefängnis in der Touristenregion Sousse wieder zu Hause in Belgien. De Smet war in dem islamischen Land wegen homosexueller Kontakte verhaftet worden. Er erzählt von seiner Geschichte in mehreren flämischen Medien, auch im VRT-Radio.

Es sei in dem Gefängnis in Messadine, wo er mehr als drei Monate gesessen hatte, bevor er freigelassen wurde, schlimmer gewesen als in dem Film "Die Hölle von Tanger" (Foto: Aus dem Film). Das Gefängnis sei übervoll gewesen. 44 Betten hätten dort gestanden, 94 Menschen hätten darin schlafen sollen. Drei Monate und dreizehn Tage lang habe er dort auf dem Boden gelegen, unter einer Decke, die seine Familie ihm gekauft hatte. "Sie können sich das echt nicht vorstellen, die Zelle ist voller Kakerlaken. Hygiene gibt es Null Komma Null."

"Ich hatte das Gefühl, dass es eine Falle war, weil unmittelbar nach meiner Festnahme Geld verlangt wurde. Ein Polizist hätte mir helfen sollen, aber ich hatte offenbar nicht genug Geld bei mir. Ich fand das alles sehr schlimm, weil wir solche Zustände nicht gewöhnt sind."

De Smet hatte im Urlaub im tunesischen Sousse einen Mann kennengelernt. "Als wir im Garten eines verlassenen Hotels intim wurden, war sofort Polizei in Zivil vor Ort, die mich festnahm. Ich wurde auch geschlagen. Ich wurde zum Verhör mitgenommen und habe sechs Tage in einer Polizeizelle gesessen. Die Polizisten baten mich um Geld. Hätte ich bezahlt, hätten sie mich gehen lassen, aber darauf bin ich nicht eingegangen."

"Homosexsuelle Kontakte sind in Tunesien gesetzlich verboten. Das kann mit bis zu drei Jahren effektiver Haft bestraft werden. "Bei uns in Europa, in Belgien steht das nicht im Gesetz."

"Bei meiner ersten Verurteilung war ich ohne Anwalt. Man hatte gar kein Recht zur Verteidigung und damals habe ich die Höchststrafe bekommen. In Berufung ist das alles mit Hilfe eines Anwalts mehr oder weniger gut gegangen", fährt De Smet fort. Der Wärter wurde zu sechs Monaten effektiver Haft verurteilt, wovon er schon mehr als die Hälfte ausgesessen hatte, als er entlassen wurde. Kurz vor Neujahr durfte er das Gefängnis verlassen.

Während seines Gefängnisaufenthaltes habe De Smet zwar Kontakt zum belgischen Konsul gehabt, aber der Mann vermutet, dass die tunesischen Behörden Schwierigkeiten gemacht hätten, denn man habe für alles um eine Erlaubnis von ihnen fragen müssen.

Nachts, führt De Smet noch aus, denke er noch immer, dass er im Gefängnis sei. Er werde wach und meine, er müsse sich vorsichtig umdrehen, weil jemand neben ihm liege.