"Auch Napoleon raubte Kunst aus Flandern"

Als Napoleon mit seinen französischen Revolutionstruppen durch Europa zog, verschwanden auch aus unserer Region zahllose Kunstwerke. Damals gab es noch keine Museen im herkömmlichen Sinne. Kunstgegenstände fand man seinerzeit in Kirchen und Abteien, in Rathäusern oder Gildesälen oder auch in den Anwesen des Adels. Sicher war auch unter Napoleon nichts.

In einer Artikelreihe zum Kunstraub aus Belgien durch Nazis berichtet die flämische Tageszeitung De Standaard auch von anderen Phänomenen aus länger zurückliegender Zeit, zum Beispiel aus der Zeit der Französischen Revolution oder Napoleons.

Die Franzosen sollen, je nach Quelle, aus den von ihnen eroberten Regionen bis zu 2.000 Kunstgegenstände aller Art entwendet und in ihre Heimat geschafft haben. Alleine aus dem heutigen Flandern verschwanden viele Gemälde oder reichlich mit Gold, Silber oder Edelsteinen verzierte Gegenstände, wie De Standaard dazu schreibt.

Walter Vrinssen, der Vorsitzende der Kirchenfabrik Sint-Paulus in Antwerpen, gibt an, dass aus seiner Kirche damals gleich mehrere Stücke von den Franzosen „befreit“ wurden, wie Napoleons Schergen das damals nannten. Das systematische Plündern von Kunstgegenstände begann hier schon kurz nach dem Einmarsch der Franzosen am 24. Juli 1794.

Sicher war hier damals nichts und die Franzosen wussten offenbar nur allzu gut, was hier zu holen war: Gemälde von Rubens, Van Dyck und Jordaens standen ganz oben auf ihrer Liste. Erst gegen 1801 unternahm Napoleon schüchterne Versuche (Dixit De Standaard), „befreite“ Werke wieder zurückzugeben.

Zurück nach Antwerpen, wo sie hingehören?

Nach der Niederlage Napoleons nach der Schlacht von Waterloo vor 200 Jahren beschlossen die damaligen Alliierten, die von Frankreich geraubte Kunst wieder ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben. Aber, nach einer umfassenden Rückgabeaktion mussten viele von ihnen feststellen, dass einiges dort geblieben war. So fehlen der Sankt-Pauluskirche in Antwerpen seit damals noch immer zwei historisch und künstlerisch gesehen enorm wichtige Gemälde: „Die Vision des Heiligen Dominikus“ von P.P. Rubens und „Die Enthauptung des Heiligen Paulus“ von Theodor Boyermans.

Napoleon schenkte das Rubens-Gemälde 1811 einem Museum in Lyon, wo es heute noch ist. Auch das Boyermans-Bild ist noch in Frankreich und wird gerade in der Madeleine-Kirche in Aix-en-Provence restauriert. Vrinssen kann nur schwerlich begreifen, warum diese Gemälde nicht zurück an ihren angestammten Platz kehren. In den liturgischen Raum, für die sie eigentlich geschaffen wurden, kamen sie nie mehr zurück. Vielleicht, so hofft Walter Vrinssen, werden sie aus Anlass des 200. Jahrestags der Schlacht von Waterlo, der dieses Jahr hier in Belgien gebührend gefeiert wird, in einem „europäischen Solidaritätsakt“, wie es De Standaard nennt, zurückgegeben.