"Entartete Kunst" kam auch nach Belgien

Als die Nazis in den 1930er Jahren ihre Museen von so genannter „Entarteter Kunst“ gesäubert hatten, gingen die ausgesuchten Kunstwerke als eine Art warnendes Beispiel auf Ausstellungsreise durch das Reich. Danach wurden Werke vernichtet oder auf dem Kunstmarkt verscherbelt. Einige davon kamen dabei in belgische Museen.

In ihrer Artikelreihe zur Raubkunst der Nazis behandelt die flämische Tageszeitung De Standaard auch die Ereignisse um die so genannte „Entartete Kunst“, Kunst, die im Dritten Reich nicht akzeptiert wurde, weil sie für Hitler zu abstrakt, zu wenig figurativ war. Nach der Reise der Ausstellung über „Entartete Kunst“ durch das Deutsche Reich gingen die beschlagnahmten Werke verschiedene Wege.

Einige verschwanden in der Privatsammlung von Reichsmarschall Herman Göring, unter anderem auch Werke des „entarteten“ Vincent Van Gogh. Andere - Gemälde, Zeichnungen oder Skulpturen von in erster Linie deutschen Künstlern - wurden schlichtweg zerstört. Wieder andere wurden auf dem internationalen Kunstmarkt angeboten und verscherbelt.

Zu den aus deutschen Häusern entfernten Kunstwerken waren auch solche von belgischen Künstlern, zum Beispiel von James Ensor, von Frans Masereel oder von George Minne. Das Victor and Albert Museum in London hat vor einiger Zeit die Inventarliste der rund 16.000 „entarteten“ Kunstwerke online gestellt und dort ist ersichtlich, dass belgische Museen damals zuschlugen, als solche Werke auf dem Markt auftauchten.

1939 kauften drei hiesige Museen bei der Galerie Fischer im schweizerischen Luzern insgesamt 114 Werke - nicht nur solche von belgischen Künstlern. Einige davon sind noch immer dort zu sehen und wurden demnach nicht an die ursprünglichen Museen zurückgegeben. Das MAMAC in Lüttich zum Beispiel verdankt seine Top-Werke dem Handel mit „entarteter Kunst“ am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Aber auch die Museen für Schöne Künste in Brüssel und Antwerpen (Foto oben) haben solche Werke in ihrer Sammlung.

Link zur Liste "Entartete Kunst" auf der Webseite des Victoria & Albert-Museums in London.

S.M. / SZ-Photo / picturedesk.com

Ein Auszug aus der Liste

Das MAMAC in Lüttich kaufte zum Beispiel für damals 3.300 Schweizer Franken „Das blaue Haus“ von Marc Chagall, das ursprünglich aus der Kunsthalle Mannheim kam. Ebenfalls aus Mannheim kam damals für 6.800 SFR „Die Maske und der Tod“ des Belgiers James Ensor. Auch im Fundus der Städtischen Galerie Frankfurt wurden die Lütticher fündig: 50.000 SFR ließ man sich „Zauberer von Hiva“ von Paul Gaugin kosten und für 2.500 SFR gab es „Monte Carlo“ von Oskar Kokoschka als Schnäppchen. Pablo Picassos „Porträt der Familie Soler“ aus dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum hingegen kostete damals 36.000 SFR. Max Liebermans „Der Reiter auf dem Strand“ aus der Neuen Staatsgalerie München war mit 3.200 SFR wiederum recht günstig.

Im Museum für Schöne Künste in Antwerpen befindet sich „Der Schriftsteller Walter Mehring“ von George Grosz aus der Hamburger Kunsthalle. Hierfür musste das Antwerpener Museum nur 280 Schweizer Franken bezahlen. „Männer am Tisch“ von Karl Hofer aus der Städtischen Kunstsammlung Kassel war für 4.100 SFR zu haben. Im Museum für Schöne Künste in Brüssel ist „Blumengarten“ von Emil Nolde aus der Kieler Kunsthalle zu finden. Das Bild erstanden die Brüsseler damals für 2.100 SFR. Für Oskar Kokoschkas „Der Spieler in Trance“ aus dem Schlesischen Museum Breslau zahlte das Brüsseler Museum bei einer britischen Galerie nur 105 Pfund.