Straffälligkeit ist eher schul- als herkunftsbedingt

Laut einer Studie der Katholischen Universität Löwen (KULeuven) ist Straffälligkeit bei Kindern und Jugendlichen nicht unbedingt herkunftsbedingt, sondern hängt von der Schulwahl ab. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind eher gewalttätig während Einheimische öfter Diebstähle begehen, sagt die Studie weiter.
ERIC HERCHAFT

Die Katholische Universität Löwen hat für eine entsprechende Studie 2.502 Schulkinder aus dem niederländisch-sprachigen Unterrichtswesen in der Region Brüssel-Hauptstadt zum Thema Straffälligkeit befragt. Das Resultat mag überraschen.

Kinder und Jugendliche türkischer oder marokkanischer Herkunft wenden auffallend oft Gewalt an: Verbaler Art, Handgreiflichkeiten, Belästigungen auf offener Straße oder Tragen einer Waffe mit entsprechenden Drohungen. Belgische Jugendliche hingegen, zumindest jene, die in Brüssel dazu befragt wurden, verüben eher häufig Diebstähle oder fahren schwarz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Doch im Allgemeinen stellt die Löwener Unistudie fest, dass das kriminelle Verhalten von Kindern und Jugendlichen nicht von der Herkunft der Betroffenen abhängt. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind nicht krimineller oder gewalttätiger, als Einheimische. Tatsächlich - zumindest in der belgischen Hauptstadt Brüssel, die ja bekanntlich ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen ist - hängt kriminelles Verhalten meist von der Schulwahl ab.

Die KUL-Studie belegt, dass Schüler türkischer oder marokkanischer Abstammung Probleme mit dem Unterschied zwischen ihrer familiären und traditionellen Umgebung und der Welt draußen in der Schule haben. Deshalb schwänzen sie zum Beispiel öfter die Schule und hängen ziellos herum.

Wer oft schwänzt verbringt seine Freizeit offenbar deutlich anders, als andere Schulkinder, die eher nach der Schule frei sind und der läuft durch sein Umfeld größere Gefahr, in kriminellen Kreisen zu landen. Jugendliche, die in ihrer Schule nicht zurecht kommen, weil sie diese Welt nicht verstehen und akzeptieren, werden später wohl auch leichter gewalttätig.