Auch gut ausgebildete Frauen verdienen weniger

Eine hochausgebildete Frau verdient in Belgien pro Monat durchschnittlich 155,50 € weniger als ein Mann in einer gleichen Position. Auf Jahresbasis kann sich dieser Unterschied auf fast 1.900 € belaufen, wie eine Studie der Universität Gent (UGent) belegt.

Verschiedene Soziologen und Arbeitsrechtler der Universitäten von Gent und Löwen berechneten im Auftrag von Frederic Anseel, Arbeitspsychologe an der Universität Gent (UGent), wie groß die Differenzen zwischen den Gehältern von Männern und Frauen mit hohen Diplomen in Belgien sind. Die Unterschiede sind recht groß, wie sie herausfanden. Die flämische Tageszeitung De Morgen hatte Einblick in die Studie.

So verdient eine Frau mit einem Master-Abschluss im Durchschnitt 155,50 € pro Monat weniger als ein Mann, der den gleichen Job hat. Dies wiederlegt die Zurückweisung der These, dass Frauen und Männer unterschiedliche Gehälter erhalten, denn Kritiker führten stets an, dass Frauen ja statistisch gesehen öfter in Teilzeit arbeiten würden. Doch die Soziologen und Arbeitsrechtler schauten genau hin und ließen in ihre Berechnungen verschiedene Parameter einfließen: Betriebszugehörigkeit, Sektor, die Größe der Unternehmen, Arbeitszeiten und geleistete Arbeitsstunden, die Region der Arbeitsstelle und sogar die Art der Arbeitsverträge.

Arbeitssoziologe Anseel ist nach Abschluss der Studie nicht davon überzeugt, dass die Gehaltsunterschiede zwischen studierten und gut ausgebildeten Frauen und Männern so bald verschwinden werden, denn Frauen würden von den Arbeitsgebern regelrecht in ihrer Karriere behindert. Dies mag dann auch eine Erklärung dafür sein, dass so wenig Frauen in Belgien auf Ebene der Privatwirtschaft in Topstellungen zu finden sind. Eine weitere Erklärung dieses geschlechtlich bedingten Gehaltsunterschieds ist wohl auch die Tatsache, dass Arbeitsverträge für hochdotierte Posten individuell verhandelt werden. Hier glauben die Soziologen und Arbeitsrechtler, dass maskuline Arbeitgeber Frauen gegenüber hier schärfer auf die Bremse treten.