Mahnwachen gegen Ausweitung des Euthanasiegesetzes

Am Donnerstagabend fanden in Belgien verschiedenerorts Mahnwachen gegen die geplante Ausweitung des Rechts auf aktive Sterbehilfe für Minderjährige statt. Zur der Aktion aufgerufen hatte Erzbischof André-Joseph Léonard. Er hofft damit, die öffentliche Debatte über ethische Fragen anzustoßen.

In die Basilika von Koekelberg waren an die tausend Gläubige gekommen, darunter zahlreiche Ordensschwestern afrikanischer und asiatischer Herkunf und auffallend viele Vertreter des orthodoxen Glaubens. Sie haben zusammen gebetet und gesungen. Mit ihrer Wache wollten die Teilnehmer bei den Politikern auch ein emotionales Zeichen setzen.

Die vier Bischöfe, die die Mahnwachen veranstalteten, erklärten in ihrem gemeinsamen Aufruf, dass sie "das Gewissen der Menschen wachrütteln und eine letzte Gesellschaftsdebatte anstoßen" wollten, in einem Moment, in dem unserem Land eine Gesetzgebung drohe, die die Möglichkeit der Euthanasie auf Minderjährige ausweite.

Erzbischof Léonard, der den ökumenischen Gottesdienst leitete, betonte, dass er die demokratischen Spielregelen in diesem Land sicher akzeptiere, aber mit dieser symbolischen Aktion auch vor einer möglichen noch weiter gehenden Ausweitung des Euthanasiegesetzes auf demenzkranke Personen warnen wolle. "Wir wollen einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion liefern, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Wir wollen das Gewissen unserer Bürger wach halten und vor Risiken, die an eine weitere Ausweitung der Gesetzgebung gebunden sind, warnen."

"Das Leben ist sehr wertvoll, trotz schwerer Krankheiten. Es bleibt doch das Beenden des Lebens, das wir uns nicht selbst gegeben, sondern von Gott bekommen haben. Das müssen wir respektieren", so eine junge Gläubige. 

"Ich habe zwar für die Entscheidung zur Euthanasie ansich keinen Respekt, aber ich kann sie verstehen", betonte eine andere Person. 

In Löwen kamen rund 400 Gläubige zur Mahnwache. Auch für die kommenden Tage sind Mahnwachen geplant.

Das Gesetz zur Ausweitung der Sterbehilfe auf Minderjährige wird voraussichtlich nächsten Donnerstag vor der Kammer verabschiedet. Der Senat hat bereits zugestimmt.