Mit Messer in Brüssels Justizpalast gelangt

Am Montag hat ein Fall von Waffenanwendung einmal mehr die Diskussion über die Sicherheit im Brüsseler Justizpalast angeheizt. Eine junge Frau hat sich während des Verfahrens gegen ihren Mann mit einem Messer selbst verletzt. Wie konnte dieses Messer in den Gerichtssaal gelangen, lautet jetzt die emsig geführte Debatte.

Luc Hennart, der Vorsitzende des Erstinstanzlichen Gerichts von Brüssel hofft, dass der neuerliche Vorfall die Gespräche über mögliche Mängel im Sicherheitssystem im Justizpalast beschleunigt.

Der Vorfall an sich mutet seltsam an. Die Ehefrau ein Mannes, der wegen häuslicher Gewalt vor Gericht steht und dessen Verfahren gerade unterbrochen werden sollte, weil sich das Kollegium zur Beratung zurückziehen wollte, ging mit einem Messer in der Hand auf den Richter zu. Die anwesenden Sicherheitsbeamten versuchten, der Frau das Messer abzunehmen.

Bei dem entstandenen Handgemenge verletzte sich die Frau selbst am Hals und an den Händen. Ob sie sich diese Verletzungen selbst beigebracht hat, wurde nicht deutlich. Sie wurde umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert und wird bald verhört. Ob gegen sie Anklage erhoben wird, soll dieses Verhör noch ergeben.

Luc Hennart sagte, dass man heute noch Glück gehabt habe: „Glücklicherweise hat die Dame keine Feuerwaffe bei sich gehabt und glücklicherweise ist sie nur gegen sich selbst vorgegangen. Andernfalls wären die Folgen davon vielleicht nicht abzusehen gewesen.“ Hennart sprach von der Einrichtung von Scannern oder Metalldetektoren und von der Einführung eines Badge-Systems für den Zugang zum Gebäude. Doch, so Hennart, koste dies alles viel Geld.

Mangelnde Sicherheit nichts Neues

Die Tatsache, dass der riesige Brüsseler Justizpalast ein enormes Sicherheitsproblem hat, ist ein offenes Geheimnis und hinlänglich bekannt. In den vergangenen Jahren konnten Häftlinge aus dem Gebäude fliehen und dies zumeist mit bewaffneter Hilfe von außen.

Bombendrohungen erfolgen regelmäßig und bei einfachen Einbrüchen verschwinden ganze Strafakten. Vor Jahren wurde in einem nahegelegenen Gebäude, das allerdings zum Brüsseler Justizpalast gehört, ein Friedensrichter und ein Protokollführer ermordet.