Belgien trauert um Kunstpapst Jan Hoet

Der international renommierte flämische Ausstellungsmacher Jan Hoet ist im Alter von 77 Jahren in Gent gestorben. Hoet hat sich unter anderem für die morderne Kunst und für flämische Künstler eingesetzt. In den vergangenen Jahren hatte Jan Hoet große Gesundheitsprobleme.

Sein Vater war Psychiater in Geel. Hoet selbst hatte zunächst einen Karriereweg als Boxer, Comiczeichner, Künstler und Lehrer eingeschlagen. Mit seinen unverkennbaren Ansichten und seiner enormen Leidenschaft eroberte Jan Hoet die Medien im Sturm. Er war äußerst wichtig für den internationalen Durchbruch verschiedener Generationen flämischer Künstler. 

So wurde er 1988 für Chambre d'Amis mit dem Passe Partout-Preis für die beste europäische Ausstellung des Jahres 1986 ausgezeichnet.

1999 bekam sein Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.) ein eigenes Gebäude im Citadelpark in Gent. 1992 leitete er die Documenta in Kassel. 

Bis zuletzt stellte Jan Hoet viel diskutierte Ausstellungen zusammen.

"Das Ende einer Ära"

Der aktuelle künstlerische Direktor des S.M.A.K., Philippe Van Cauteren, bezeichnet den Tod von Jan Hoet als einen großen Verlust für jeden, der Kunst liebe. Seine Verdienste seien enorm groß gewesen, so Van Cauteren.

Auch die Künstler selbst reagieren niedergeschlagen. Wim Delvoye hebt die Wichtigkeit von Hoet für die Kunst hervor.

Der Künstler Luc Tuymans betont, dass der Tod von Hoet das Ende einer Ära bedeute.

Vier bahnbrechende Ausstellungen von Jan Hoet

Jan Hoet wurde international mit wichtigen Ausstellungen wie Chambres d'Amis, Open Mind, Documenta IX und Over The Edges bekannt.

Chambre d'Amis in Gent, war 1986 eine revolutionäre Ausstellung, weil Hoet die Kunst aus den Mauern des Museums holte und sie in ein privates  Intérieur verlegte. Mit diesem Ausstellungskonzept wurde quasi die Grenze zwischen Kunst und Alltag aufgehoben. Jan Hoet wählte 51 Künstler aus, die ein Kunstwerk in Privathäusern in der Genter Innenstadt machten. Die Idee hierfür, sagte Hoet einst in der VRT, habe er sich bei einem Symposium für Kuratoren in Bari geholt. Dort wollten die Amerikaner alte Hallen abreißen, um ein neues Museum zu bauen. Er habe damals gleich reagiert und vorgeschlagen, die Häuser mit Architekten und Künstlern zusammen zu renovieren, um der alten Stadt wieder Leben einzuhauchen. "Und wenn Ihr das nicht macht, mache ich das in Gent."

Open Mind (Closed Circuits), Gent 1989, ist eine weitere wichtige Ausstellung, die international in der Kunstwelt Aufmerksamkeit auf sich zog. 1989 zog Hoet mit 'Open Mind' (Closed Circuits - offener Kopf – geschlossene Kreise) im  Museum für Gegenwartskunst in Gent (der Vorgänger vom S.M.A.K.) eine Parallele zwischen Kunst und Schizophrenie. Arbeiten von bildenden Künstlern wie Francis Bacon, Max Beckmann, Jan Fabre und Jackson Pollock wurden im Dialog mit Kunst von psychiatrischen Patienten präsentiert.

1992 durfte Jan Hoet die in fünfjährigem Abstand statt findende Kunstschau Documenta in Kassel zusammenstellen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde Hoet auch in Deutschland bekannt. Der Kurator versuchte, die Kunst und das Leben zu einer Symbiose zu fügen. Die Ausstellung lockte über 600.000 Besucher an.

Mit Over The Edges, Gent 2000, kehrte Jan Hoet zurück zu seiner Idee der 'Chambres d'Amis. Dieses Mal nimmt die Kunst nicht nur Besitz von den Innenräumen von Privathäusern, sondern auch von Straßenabschnitten, bzw.-ecken. Viele berühmte Künstler, darunter auch der Belgier Jan Fabre oder aus dem Ausland Jessica Diamond, Jimmy Durham, Luciano Fabro, David Hammons nahmen teil. Sie suchten sich selbst einen Ort aus und hatten vollkommene künstlerische Freiheit. Noch vor ihrer Eröffnung wurde über die Ausstellung heftig diskutiert.