Zu wenig Übersetzer für Gerichtsverfahren

Richter in Belgien müssen sich immer öfter auf Anwesende im Gerichtssaal berufen, um bei Prozessen, die Personen unterschiedlicher Sprachen betreffen, zu übersetzen. Diese Woche war zum Beispiel ein Richter in Brüssel während eines Prozesses verzweifelt auf der Suche nach jemandem im Saal, der der niederländischen Sprache mächtig war.

„Kann jemand aus dem Saal übersetzen?“ Diese Frage hört man bei Prozessen in Belgien immer öfter. Offenbar greifen Richter während den Sitzungen regelmäßig auf Anwälte, Polizisten oder Saalwächter zurück, um Akten in anderen Sprachen vorzulesen oder sogar um bei Verhören von Angeklagten zu übersetzen. Am häufigsten geschieht dies wohl in der offiziell zweisprachigen belgischen Hauptstadt Brüssel, doch auch in anderen Gerichtsbezirken in Belgien kommt so etwas vor.

Jacques Mahieu, der Vorsitzende des Erstinstanzlichen Gerichts in Antwerpen, stellt fest, dass dies ein fast alltägliches Problem ist: „Es ist oft schwierig, Übersetzer zu finden, zumal in selten aufkommenden Sprachen. Aber, dies führt trotzdem nur selten zu Vorfällen oder Klagen.“

Das Problem ist offenbar eine undeutliche Regelung für Gerichtsübersetzer im belgischen Justizwesen. Das ein nicht vereidigter Übersetzer bei einem Prozess übersetzt, ist juristisch kein Problem. Doch wenn jemand auf die Aufforderung, bei einem Prozess zu übersetzen, auch wenn er dies nicht professionell tut, dann zieht er alle relevante Verantwortung auf sich. Da man die sprachliche Kompetenz des jeweiligen Übersetzers nicht vorher überprüft, wirft dies doch Fragen zu dieser Art des Vorgangs auf.

Gesetzesvorschlag

Übersetzer fordert seit langem ein deutliches Statut für diesen Bereich im belgischen Justizwesen. Vor etwa einer Woche wurde im Justizausschuss des belgischen Bundesparlaments einem Gesetzesvorschlag zugestimmt, der eine Register für Übersetzer möglich machen soll, auf das bei Gerichtsverfahren zurückgegriffen werden kann.

Bisher liegen nur halbamtliche Listen von Gerichtsübersetzern vor. Doch im Regelfall beschränken sich die Gerichte auf einen einfachen Sprachtest und auf die Frage, ob der jeweilig Angesprochene ein Strafblatt hat oder nicht.