Regierung will Schüler mit Lernbehinderung an normale Schulen

Schülern mit einer leichten Behinderung oder Lernschwierigkeiten wird die Teilnahme am normalen Unterricht künftig erleichtert. Das flämische Parlament hat hierfür ein Dekret verabschiedet.

In Flandern wird schon lange darüber diskutiert, wie das Unterrichtswesen mit Schülern umgehen sollte, die gesondert gefördert werden müssen. Die Fragen, die sich stellen, sind vor allem folgende: In wieweit müssen gewöhnliche Schulen Schüler mit einer Lernbehinderung aufnehmen? Werden Schüler zu schnell auf Sonderschulen geschickt?

Die Zahl der Schüler in Sonderschulen steigt jährlich weiter an. Innerhalb von 20 Jahren hat ihre Zahl von ungefähr 20.000 auf über 30.000 zugenommen.

Das soll sich mit dem neuen Dekret ändern. Die Schüler sollen sich in einer gewöhnlichen Schule anmelden dürfen und dort mit professioneller Hilfe wie einem Taubstummen-Lehrer oder einer speziellen Software für Legasthenie rechnen können. Mit dem M-Dekreet geht die flämische Regierung vom Prinzip aus: "Gewöhnlicher Unterricht, wenn es geht, Sonderschule wenn es nötig ist". Nur wenn die Anpassungen für die Schule absolut unangemessen wären, kann der Schüler an eine Sonderschule verwiesen werden.

Konkret bedeutet das, dass künftig tausende Schüler in den gewöhnlichen Unterricht aufgenommen werden anstelle Sonderschulen zu besuchen.

Da die Sonderschulen künftig weniger und der gewöhnliche Unterricht mehr Schüler zählen werden, wird sich auch die Finanzmittelvergabe verschieben. Es werden keine zusätzlichen Mittel gewährt oder Mittel gestrichen. Das Geld werde lediglich anders verwendet, heißt es. Bei der Vorbereitung des gewöhnlichen Unterrichts auf diese Erneuerung hilft ein Team aus Begleitern.

Das Dekret wurde viel kritisiert. Die Gewerkschaften der Bildungseinrichtungen verlangen einen Aufschub. Sie befürchten, dass das Personal zu wenig Hilfe erhält und dass das Budget nicht ausreiche, um die Maßnahmen in die Praxis umzusetzen.