EU-Wahlen: Verhofstadt will mitdebattieren

Wenn die beiden deutschen öffentlich-rechtlichen TV-Sender im Hinblick auf die Europawahlen vom 25. Mai 2014 ihre Debatten zwischen den Spitzenkandidaten für den Kommissions-Vorsitz der sozialistischen und der konservativen Fraktionen im EU-Parlament ausstrahlen, müssen andere politische Bewegungen außen vor bleiben - sehr zum Unmut von Belgiens Ex-Premier Guy Verhofstadt (Foto), Spitzenkandidat der Liberalen.

Am 8. Mai sendet das ZDF ihr Europa-TV-Duell zwischen dem Deutschen Spitzenkandidaten der europäischen Sozialisten, Martin Schulz und dem der europäischen Konservativen, dem Luxemburger Jean-Claude Juncker aus. Mehr Parteien sind dazu nicht eingeladen, auch nicht, wenn die ARD am 20. Mai ihr vom NRW-Regionalsender WDR veranstaltetes TV-Duell ausstrahlt.

Das wollen sich die europäischen Liberalen in Person des belgischen Ex-Premiers Guy Verhofstadt nicht gefallen lassen. Verhofstadt will mit debattieren und gibt in entsprechenden Schreiben an ARD und ZDF sogar zu erkennen, dass er zum ersten Mal überhaupt auf internationaler Ebene in Deutsch reden wolle.

"Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie Ihren Zuschauern statt eines Duells eine echte europäische Debatte zutrauen würden", schrieb Verhofstadt an die verantwortlichen Chefredakteure der deutschen Öffentlich-Rechtlichen.

Doch offenbar findet Verhofstadt kein Gehör. Der WDR ließ lauf Spiegel wissen, dass ein derartiges Format nicht funktioniere, wenn mehr als zwei Kandidaten mit dem Publikum diskutieren würden. Doch dieser Argumentation widersprach Verhofstadt.

Die Argumentation sei nicht stichhaltig, so der belgische Ex-Premier: "Der Präsident der EU-Kommission stammt stets aus einer der in der Kommission vertretenen Parteienfamilien. Das sind derzeit genau drei: Konservative, Liberale und - an dritter Position - Sozialisten." Daher ist die logische Teilnehmerzahl für die Wahlkampfsendungen von ARD und ZDF für Verhofstadt "drei".

"Verrückt"

Verhofstadt reagierte auf den Vorgang gegenüber Spiegel Online und sagte dazu, dass die Europapolitik gerade auch durch die öffentliche Meinung in Deutschland geprägt würde.

Wenn die beiden größten deutschen öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten in ihren wichtigsten Programmen bezüglich der Europawahlen die Zahl der politischen Köpfe nur auf zwei reduziere, so Verhofstadt, würden sich diese die Sache zu leicht machen.

Auch wenn dies in Deutschland derzeit anders aussehe, seien die Liberalen auf europäischer Ebene derzeit noch immer die dritte politische Kraft. Es wäre „verrückt“, so Guy Verhofstadt bei Spiegel Online, wenn ausgerechnet dieser Umstand für das deutsche Publikum ausgeblendet würde.