Barack Obama sprach vor 2.000 Zuhörern in Brüssel

Zum Abschluss seines rund 24stündigen Besuchs in Belgien sprach der amerikanische Präsident Barack Obama im Palast der Schönen Künste in Brüssel vor 2.000 handverlesenen Gästen über die transatlantischen Beziehungen, über den Krim-Konflikt und über die Welt, in der wir leben wollen. Die Gäste im altehrwürdigen Konzertsaal des Bozar hingen an den Lippen Obamas.

Unter den geladenen Gästen bei der Obama-Rede am frühen Mittwochabend waren das belgische Königspaar, einige Politiker aus Belgien (aus Bund und Ländern) und auch andere Amts- und Würdenträger, doch die Mehrheit der Zuhörer waren junge Menschen, die die amerikanische Botschaft in Brüssel persönlich eingeladen hatte.

Das Publikum war bunt gemischt, stellte sich aus allen Bevölkerungsteilen zusammen und war damit auch kosmopolitisch und berücksichtigte in seiner Zusammenstellung alle möglichen Formen der Weltanschauungen in der belgischen und europäischen Hauptstadt Brüssel und darüber hinaus.

Vor dem eigentlichen Auftritt Obamas sprach eine junge Frau, die seit einigen Jahren bei der Europäischen Union tätig ist, zu den Anwesenden, um über ihre Lebenserfahrung von der des US-Präsidenten zu sprechen. Danach, mit einer halben Stunde Verspätung, kam er endlich: Barack Obama und er wurde wie ein Popstar begrüßt.

"Schokolade und Bier"

Nach einer schmunzelnden Bemerkung zum Land der Schokolade und des Biers legte Obama Nachdruck auf die untrennbare Freundschaft zwischen den Belgiern und den Amerikanern. Dann wurde er ernst und sprach von Staatsgründungen, wie der seines Landes und davon das dabei oftmals festgeschrieben wurde, dass alle - Männer und Frauen - gleichwertige Menschen sind, nicht nur verfassungsmäßig.

Auch hier rief er wieder in Erinnerung, dass zwei Weltkriege in Europa gehaust haben, doch dass diese Ereignisse Europa geeint hätten. Man habe sich zusammengeschlossen, um der Dunkelheit von Diktaturen zu entkommen, dies im Gegensatz zum sich verschließenden „Eisernen Vorhang“. Heute sei Deutschland ein vereinigtes Land und viele Staaten im Osten Europas gehören zur EU. Frühere Feinde seien jetzt Freunde. Diese und andere Werte stünden für die Partnerschaft zwischen den USA und Europa, denn man teile die gleichen Werte, zum Beispiel den Respekt der Menschenrechte.

Der Konflikt um die Krim

Doch auch für den amerikanischen Präsidenten ist nicht alles Gold, was glänzt. In Europa und im Rest der Welt, auch wenn überwiegend Frieden herrsche würden verschiedene Weltanschauungen und Nationalismus die Unterschiede zwischen den Menschen aufzeigen und für Hass sorgen.

Und da war er gleich bei der Ukraine und bei der Annektierung der Krim durch die Russen. Und bei den jungen Menschen in Kiew, die ein korruptes System umgeworfen hätten. Leider wisse niemand heute, was in einigen Tagen dort geschehen könnte, doch er glaube, dass die Zukunft, „unsere Zukunft“, im Frieden liege, denn die Ideale unserer freien demokratischen Welt würden dafür stehen.

Obama verurteilte einmal mehr die Verletzung der Integrität der Ukraine durch Russland, doch er wolle die Russen nicht pauschal verurteilen und keinen Konflikt herbeirufen, doch die Sache an sich akzeptiere er nicht. Sanktionen und die Isolierung Russlands durch die USA und ihren Alliierten und die Stärkung der jungen Demokratie in der Ukraine seien die Zeichen der Zeit. Doch er forderte auch Respekt für die russische Minderheit in der Ukraine, denn das eine schließe das andere nicht aus.

Globale Welt, bessere Welt

Obama gab allerdings zu, dass der Einmarsch in den Irak durch seine Vorgängerregierung ein Fehler war, obschon man dort für die Freiheit der Menschen gekämpft habe und nicht, um die Selbstbestimmung eines Landes zu brechen und den Staat zu annektieren. Der US-Präsident hofft, dass die Staaten überall in der Welt erstarken würden, um eine tragende Rolle in unserer globalen Welt zu übernehmen.

Er rief in diesem Zusammenhang auch Russland dazu auf, so weiter zu machen, wie vor dem Fall Ukraine: Reduzierung der Atomwaffen, die Mitarbeit in der G8 oder in Weltwirtschaftsforum.

An seine jungen Zuhörer in Brüssel richtete er den Aufruf, die Vorgänge in der Welt - Revolutionen z.B. in Tunesien, Libyen und anderen Staaten - auch wenn diese weit weg von uns seien, im Auge zu behalten. „Ihr, die jungen Europäer, solltet die Welt weiter mitgestalten und für eine bessere Geschichte sorgen“ so Obama. Anstatt anders Lebende, wie Schwule und Lesben, zu verurteilen, sollten wir deren Selbstbestimmung und deren Recht auf ein freies Leben verteidigen. „Wir sollten uns ständig die Frage stellen, welches Europa, welches Amerika, welche Welt wir haben wollen.“