Genozid Ruanda: Premier gedenkt der 22 belgischen Opfer

Premier Elio Di Rupo hat am Sonntag den belgischen und ruandischen Genozidopfern von 1994 gedacht. Der Premier tat dies im Beisein von Familienangehörigen der Opfer. Diese sind am Sonntag zusammen mit einer Delegation des belgischen Ministeriums nach Kigali geflogen.
Nicolas Maeterlinck

Bei dem Völkermord vor 20 Jahren in Ruanda wurden innerhalb von drei Monaten schätzungsweise 800.000 Menschen, vor allem Tutsis, aber auch gemäßigte Hutus, abgeschlachtet. 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit wurde von Angehörigen der Hutu-Mehrheit ermordet. Auch zehn belgische Blauhelmsoldaten der UN-Mission Unamir und zwölf beligsche Zivilisten wurden getötet.

Ausgelöst wurde der Genozid durch den Abschuss des Flugzeugs des damaligen Präsidenten Habyarimana am 6. April 1994. Habyarimana gehörte der dominierenden Bevölkerungsgruppe der Hutu an. Diese waren überzeugt davon, dass die Tutsi hinter dem Anschlag steckten und begannen eine Hetzjagd auf diese Minderheit.

Di Rupo bezeugte am Sonntag auf dem Militärflughafen von Melsbroek im Namen der Regierung seine "absolute Solidarität" mit den Familienangehörigen der Opfer. "Sie haben für ihre Zuwendig und Großzügigkeit teuer bezahlt", sagte er.

"Sie haben einen Sohn, Ehemann, die Frau, Schwester oder den Vater verloren. Nach dieser Tragödie haben Sie lernen müssen, ohne ihre Anwesenheit weiterzuleben", fuhr Di Rupo fort. "Diese Reise nach Ruanda gibt Ihnen erneut die Möglichkeit, derer, die nicht mehr sind, zu gedenken."

Di Rupo zufolge sollte uns das Gedenken an den Genozid vor 20 Jahren erneut daran erinnern, dass wir die schrecklichen Ereignisse niemals vergessen dürften. Und dass wir alles daran setzen müssten, dass sich solche Tragödien nie mehr wiederholten. "Die Regierung hat ein großes Interesse daran, die Erinnerung an die 10 Fallschirmspringer und Entwicklungshelfer zu erhalten und zu ehren", so der Premier noch.

"Wir sollten auch den Mut aufbringen, Fehler aus der Vergangenheit zuzugeben und Lehren daraus zu ziehen", betonte Di Rupo am Sonntag noch. Er erinnerte daran, dass die belgische Regierung dies unter seinem Vorgänger, Guy Verhofstadt, der am Sonntag auch nach Melsbroek kam, ebenfalls tat. Der Senat hatte eine Untersuchung der Geschehnisse in Ruanda durchgeführt und Verhofstadt hatte sich am 7. April 2000 im Namen Belgiens entschuldigt.

Die Familienangehörigen fliegen am heutigen Sonntag mit einer offiziellen belgischen Delegation, angeführt von Außenminister Didier Reynders und dem Minister für Entwicklungs-Zusammenarbeit Jean-Pascal Labille nach Ruanda. Sie werden an der Zeremonie zu Ehren der Genozid-Opfer vor 20 Jahren teilnehmen.

Premier Di Rupo und Verteidigungsminister Pieter De Crem nehmen wiederum an der Gedenkveranstaltung für die belgischen Opfer der Friedensmission am kommenden Montag um 11 Uhr am Grab des Unbekannten Soldaten in Brüssel teil.

Reynders verteidigte am Sonntag den Entschluss Belgiens, doch für die Gedenkveranstaltungen zum 20. Jahrestag nach Kigali zu reisen. Frankreich hatte am Samstag entschieden, aus Protest gegen die Vorwürfe Paul Kagames, Frankreich hätte bei den Vorbereitungen der Massenmorde 1994 eine Rolle gespielt, nicht an den Gedenkenveranstaltungen zum Völkermord in Ruanda teilzunehmen.

"Uns (die Belgier) beschuldigt (Kagame) nicht der Beteiligung am Genozid. Ich verstehe, dass Frankreich heftiger reagiert. Die Situation ist eine ganz andere", betonte Reynders.

Kagame hatte am Samstag wohl aber auch Belgien beschuldigt, eine Rolle bei den Geschehnissen gespielt zu haben. "Krasse Äußerungen sind wir von Kagame gewöhnt", so Filip Reyntjens, Ruandaexperte der Universität Antwerpen. "Dass er nun aber  behauptet, dass Belgien den politischen Weg für den Genozid unterstützt habe, geht sehr weit."

"Es erscheint mir zudem nicht kohärent mit dem, was wir wissen, denn Belgien wurde 1994 als Verbündeter der Ruandischen Patriotischen Front betrachtet und RPF war damals zum Beispiel auch mit dem Einsatz belgischer Truppen in der UN-Mission einverstanden."