Di Rupo: "De Wever nicht überbewerten!"

"Die N-VA ist wie Francorchamps, eine Rallystrecke mit vielen Kurven". Das sagte Belgiens Premier Elio Di Rupo von den französischsprachigen Sozialisten am Donnerstagfrüh in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender France24. "Schenken Sie dem, was De Wever sagt, nicht so viel Aufmerksamkeit", antwortete der Premier auch noch.

Di Rupo war zu Gast beim französischen Sender, um über Europa zu sprechen, aber ihm wurden auch Fragen zur Partei der flämischen Nationalisten N-VA gestellt. Außerdem kam die Frage auf, ob die Gefahr nicht groß sei, dass wieder eine lange politische Krise unser Land blockieren könne. "Es ist sehr einfach: Die französischsprachigen Sozialisten als Blockade gegen den Ultraliberalismus, der uns nirgendwohin führt und gegen den Separatismus in Belgien", antwortete der Premier.

"Dennoch habe ich Vertrauen, dass die vernünftigen flämischen Parteien in dieser Kampagne den Flamen erklären werden, was die richtige Wahl für das Land und für Flandern ist. Wir haben das Land stabilisiert und das internationale Vertrauen wiedergewonnen. Diesen Weg müssen wir weiter gehen."

"Was zählt ist, dass die vernünftigen Parteien gewinnen"

"Bart De Wever (N-VA) hat jetzt aber gesagt, dass er an der flämischen und der föderalen Regierung teilhaben will", so die französische Journalistin. "Schenken sie dem, was De Wever sagt, nicht so viel Aufmerksamkeit", sagte Di Rupo daraufhin. "Ich weiß nicht, ob Sie Francorchamps kennen. Das ist eine Rallystrecke mit vielen Kurven. Die N-VA ist dieser Strecke ähnlich. Sie wissen nie, von woher der Wind kommt. Von einem Tag auf den anderen sagen die etwas ganz anderes. Was zählt ist, dass die vernünftigen Parteien siegen."

Belgisches Rezept für Europa

"Ich hoffe, dass die PS die größte Partei im französischsprachigen Belgien wird, denn bei uns wird ein Niederländischsprachiger nicht von den Französischsprachigen gewählt und ein Französischsprachiger wird nicht von einem Niederländischsprachigen gewählt", erklärte Di Rupo den Franzosen das System in Belgien. Er verteidigte in dem Interview übrigens die Politik der belgischen föderalen Regierung.

"Wir haben die Krise besser überstanden als andere europäische Länder. Wir haben die Kaufkraft wahren und den Mindestlohn erhöhen können. Wir haben enorm viel geleistet, ohne allzu viele Opfer von den Unternehmen und den Menschen zu verlangen", fasste er zusammen. "Wir haben eine positive Bilanz und ein Programm für die Zukunft, das Arbeitsplätze schaffen und die Kaufkraft der Leute wahren wird."

Di Rupo sprach vom belgischen Rezept, das in Europa als Beispiel dienen könne. "Das belgische Rezept ist eine Mischung aus Haushaltsdisziplin und Wiederbelebung der Wirtschaft: Unterstützung von Unternehmen."

"Die Haushaltsforderungen von Europa dürfen nicht zu schwer sein, hieß es noch. Die Mühen, die man von der Bevölkerung und den Unternehmen verlangt, müssen erträglich sein. Man muss Hoffnung machen und Arbeitsplätze für die Jugend schaffen."