Lärmbelästigung durch Brüsseler Flughafen

Der Vorschlag des Staatssekretärs für Verkehr Melchior Wathelet hat für viel Aufregung in der Bevölkerung gesorgt. Wathelet will die Nachtperiode auf dem Flughafen von Zaventem verlängern, um gegen zu großen Nachtlärm vorzugehen.

In letzter Zeit hat es vor allem aus Brüssel wieder viele Klagen über Fluglärmbelästigung gegeben. Am Donnerstag haben sich mehrere Aktionsgruppen mit Staatssekretär Wathelet und Innenministerin Joëlle Milquet zusammengesetzt. Der Vorschlag war, die Nachtperiode um zwei Stunden zu verlängern, das heißt, jetzt fliegen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens kaum Flugzeuge. Wathelet will diese Zeitspanne auf 22 Uhr abends und sieben Uhr morgens verlängern. Er wird seinen Vorschlag auf dem nächsten Ministerrat vorbringen.

Die Brüsseler Regierung und verschiedene Aktionsgruppen reagieren positiv auf den Vorschlag, aber Unternehmen auf und um den Flughafen herum sind hauptsächlich dagegen, so auch der Verband der Reiseveranstalter, denn ihre Flüge steien traditionell zwischen sechs und sieben Uhr früh auf. 

"Wenn man das verschiebt, muss erst geprüft werden, ob Zaventem Platz hierfür hat, denn andere Gesellschaften fliegen auch zwischen sieben und acht Uhr. Wir haben unsere Flugpläne für unsere Bestimmungsorte über die Jahre hinweg festgelegt. Das alles um eine Stunde zu verschieben, hat weitgehende Folgen."

Auch der Brüsseler Flughafen wird wohl nicht gerade erfreut über den Vorschlag sein.

Bleibt die Frage: Ist der Vorschlag realistisch? Oder ist das nur ein Wahlstunt?

Vorschlag unter bestimmten Bedingungen, ja!

Die Aktionsgruppe "Noordrand", die im Norden Brüssels und Umgebung aktiv ist, ist unter bestimmten Bedingungen mit den Nachtzeiten einverstanden, heißt es. Die Gruppe unterstütze den Plan, will aber, dass die heutige Begrenzung der Anzahl der Flüge erhalten bleibt.

Der Vorschlag von Wathelet, die Nachtperiode auszuweiten, ist übrigens nicht neu. Auch die Brüsseler Region hatte diese Forderung bereits gestellt. Es seien vor allem die Flüge zwischen 6 und 7 Uhr, die die Brüsseler Geräuschnormen überschritten.

Die Aktionsgruppe stellt drei Forderungen in Zusammenhang mit dem Wathelet-Vorschlag: Erstens, die Begrenzungen der Flüge beizubehalten, zweitens den Erhalt der heutigen Geräuschbegrenzung der Flugzeuge und drittens den Erhalt der heutigen Routen für die Nacht."

Auch der Kardiologe Marc Goethals unterstützt den Vorschlag der längeren Nachtruhezeiten. Es sei wissenschaftlich bewiesen, wie schädlich Schlafstörungen sein können. Die meisten Menschen und vor allem Kinder schliefen noch zwischen 6 und 7 Uhr. Es sei nur normal, dass die Flugzeuge dies berücksichtigen müssten. "Ideal wäre ein europäischer Stopp für alle Nachtflüge", so Goethals.

Keine Flüge über dicht besiedelte Gebiete?

Die Gemeinde Etterbeek hat am Freitag unterdessen eine Zustellungsurkunde an den Flugleiter von Belgocontrol und Staatssekretär Wathelet gesandt. Darin wird gebeten, das intensive Überfliegen dieser Brüsseler Gemeinde (im Europaviertel) einzustellen. Das hat der Bürgermeister der Gemeinde, Vincent De Wolf (MR) gesagt. Je nach Reaktion werde die Gemeinde weitere Schritte unternehmen, heißt es noch.

Etterbeek beruft sich auf Flugvereinbarungen aus den Jahren 2008 und 2010 und weist Belgocontrol darauf hin, dass diese einzuhalten seien. Darin stehe, dass die Flugrouten für aufsteigende Flugzeuge über Gebiete erfolgen müssten, die am wenigsten bevölkert seien. Man habe deshalb schon seit Februar mit den Flügen über Etterbeek stoppen müssen", so De Wolf noch.