"Jetzt in Kampf gegen Klimawandel investieren!"

Dem Klimaexperten bei der EU-Kommission, Jos Delbeke zufolge, sei jetzt der Moment gekommen, um in den Kampf gegen die Erderwärmung zu investieren. Später würden die Kosten noch viel höher ausfallen, warnte der Belgier im VRT-Radio.

Mit dem dritten Teil des Weltklimaberichts, der am Wochenende in Berlin vorgestellt wurde, fordern die Autoren des Berichts eine umfassende internationale Energiewende.

Sie formulieren ein eindeutiges Ziel: Die Erderwärmung muss bis 2100 auf zwei Grad Celsius mehr begrenzt werden. Dieser Wert darf auf keinen Fall überschritten werden.

Auf den Bericht des Sonderausschusses der Vereinten Nationen haben sich Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus 195 Staaten geeinigt. Teil Eins und Zwei waren bereits veröffentlicht worden. Die Menschen, geht aus den Berichten hervor, seien die Hauptverantwortlichen für den Klimawandel. Auch werden in den Berichten die Folgen für die Umwelt beschrieben.

Laut dem Klimaexperten bei der Europäischen Kommission, Jos Delbeke, könne man die Folgen einer Klimaveränderung noch absehen und kontrollieren. Wir wissen, dass der Meeresspiegel dann steigen wird, dass ein Großteil des Nordpoleises geschmolzen sein wird und dass neue Fahrtrouten möglich werden.

Wenn die Durchschnittstemperatur bis 2100 allerdings mit mehr als 2 Grad Celsius steige, würden die Folgen unvorhersehbar und ganze Klimamodelle könnten sich verändern mit allen möglichen Folgen und das würde jedes einzelne Land noch mehr kosten.

Delbeke räumt ein, dass ein Labyrinth möglicher Szenarien vorliege, aber die Begrenzung auf einen Anstieg um 2°C bis 2100 sei realistisch und außerdem wirtschaftlich bezahlbar.

"Kosten für erneuerbare Energie gehen schnell zurück"

Um den CO2-Ausstoß zu begrenzen, gibt es drei mögliche Lösungen: Erneuerbare Energie, Atomenergie oder "CO2 capture and storage", CO2-Abscheidung und Lagerung. Letztere Lösung wird jedoch von zahlreichen Umweltorganisationen kritisiert. CCS, so viele Organisationen, sei eine unsichere, teure und energieintensive Technologie, die Kohlendioxid (CO2) bei der Energieerzeugung abspalten soll, um es in unterirdischen Lagerstätten einzulagern. CCS sei ein Vorwand, um weiterhin Kohlekraftwerke zu bauen, heißt es noch.

Delbeke bevorzugt deshalb Energieeinsparung und einen Ausbau der erneuerbaren Energien und betont, dass in dieser Hinsicht bereits viel getan würde, nicht nur durch die EU, sondern auch durch die Vereinigten Staaten und China. Außerdem würden die Kosten für erneuerbare Energie schnell sinken, sagt er. So sei Strom aus Solarzellenplatten in Südeuropa jetzt schon mit gewöhnlichem Strom vergleichbar und das gleiche gelte für Windturbinenanlagen auf dam Lande in Nordeuropa.

Um in erneuerbare Energie zu investieren, brauche man allerdings noch stets ausreichende Mittel und in welchem Umfang sich die Kosten auf das Bruttoinlandsprodukt niederschlagen würden, sei noch immer nicht klar, räumt Delbeke ein. Es werde jedoch viel mehr kosten, wenn wir nicht jetzt, sondern erst später investieren. Später würden wir vielleicht mit unvorhersehbaren Kosten eines völlig ausufernden Klimas konfrontiert.