Adoptionsmutter aus Belgien im Kongo in Haft

Eine Frau aus Belgien ist von einem Gericht im Kongo zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt worden, weil sie versucht hatte, mit ihrem adoptierten Kind illegal in ihre Heimat zu flüchten. Die kongolesische Regierung hat alle Adoptionsverfahren im Land aufgrund eines Skandals um Adoptionen von Kindern in Kanada auf Eis gelegt.

Die Meldung, dass kongolesische Kinder, die von so genannten Eltern in Kanada adoptiert wurden, dort zur Prostitution gezwungen wurden, hat in der Demokratischen Republik Kongo für erhebliches Aufsehen gesorgt. Präsident Kabila hat die Angelegenheit zur Chefsache erklärt und vorerst alle Adoptionen von Kindern aus seinem Land auf Eis gelegt. Das ist bereits seit November 2013 der Fall.

Davon sind allerdings auch alle legalen Adoptionen betroffen, zum Beispiel einige Dutzend von belgischen Eltern. Einige Adoptionsväter und -mütter aus Belgien halten sich mittlerweile mit ihren adoptierten Kindern im Kongo auf oder pendeln hin und her. Doch sie dürfen diese Kinder nicht in ihre Heimat bringen.

Vor kurzem hatte eine Mutter aus Belgien versucht, mit ihrer minderjährigen adoptierten Tochter den Kongo illegal zu verlassen, wurde jedoch dabei von der Polizei geschnappt und zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Die Frau legte inzwischen Berufung gegen das Urteil ein. Ihre kleine Tochter hält sich zur Zeit in der belgischen Botschaft in Kinshasa auf. Dort warten unterdessen weitere sieben Adoptionseltern aus unserem Land auf eine Lösung des Problems. Sie versuchen die Angelegenheit mit Hilfe der belgischen Behörden zu lösen.

"Zeit verlieren"

Ein Sprecher der Regierung des Kongo in Kinshasa gab unterdessen an, die Adoptionsverfahren in seinem Land würden seit dem Skandal um kongolesische Adoptionskinder, die in Kanada zur Prostitution gezwungen wurden, komplizierter gehandhabt. Die betroffenen Eltern hätten sich damit abzufinden, dass sie jetzt mehr Zeit verlieren müssen.

Überdies, so die offizielle Lesart der Behörden im Kongo, sei die belgische Frau nicht wegen Kinderhandel verurteilt worden, sondern wegen des Verstoßes gegen derzeit diesbezüglichem kongolesischem Recht und gegen das Ausreiseverbot für Adoptionskinder vor dem Ende der neuen Verfahren.