Eine Frau sitzt jetzt Belgiens Unternehmensverband vor

Michèle Sioen ist Spitzenmanagerin des Unternehmens Sioen Industries in Ardooie (Westflandern). Das Unternehmen stellt technische Textilwaren her. Als neue Vorsitzende des Unternehmensverbandes fordert Sioen, dass die Politik die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen verbessert. Sie will, dass die Lohnkosten und Energiepreise sinken. Außerdem findet sie, dass dringend gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit vorgegangen werden muss.
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"Unser Lohnhandicap gegenüber unseren wichtigsten Handelspartnern ist auf 16,5 Prozent angestiegen, während unser Produktivitätswachstum schnell sinkt. Das ist total unhaltbar für unsere Unternhemen. Die Arbeitgeberbeiträge auf Arbeit müssen deshalb von 35 auf 25 Prozent gesenkt werden." Das hat Michèle Sioen (48), die neue Vorsitzende des belgischen Unternehmensverbandes (VBO), am Donnerstag anlässlich ihrer offiziellen Vorstellung in den Räumen des VBO in Brüssel gesagt.

Sioen ist die erste Frau, die dem belgischen Arbeitgeberverband vorsitzt. Sie übernimmt den Posten für die nächsten drei Jahre von Pierre Alain De Smedt.

Ein anderer wunder Punkt seien laut Sioen die steigenden Energiekosten in unserem Land. Laut der neuen VBO-Präsidentin fehle es der Energiepolitik an Kohärenz und Koordination und das auf belgischem und auf europäischem Gebiet sowie auf föderaler und auf regionaler Ebene.

Außerdem weist Michèle Sioen auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit hin (über 20 Prozent). Sie belaste die Zukunft der nächsten Generation. Sie nennt Deutschland als gutes Beispiel für eine Lösung. Dort werde mit einem dualen System gearbeitet, bei dem abwechselnd die Theorie in der Schule und die Praxis am Arbeitsplatz erlernt werden. Sioen plädiert für eine Vereinfachung der Administration, "denn die administrativen Bürden kosten die Unternehmen jährlich 5 bis 6 Milliarden".

Pieter Timmermans, der Ceo des VBO, unterstrich das Interesse der Arbeitgeberorganisation am ersten weiblichen Vorsitzenden. Es zeige, dass der Verband an die Chancengleichheit von Mann und Frau glaube, auch bei Spitzenfunktionen. "Aber Frau Sioen wurd vor allem gewählt, weil sie ein Ceo mit Spitzenniveau ist. Sie führt mit Sioen Industries ein Unternehmen mit 4.800 Arbeitnehmern, davon gut 900 allein in Belgien. Das Unternehmen ist in 15 Ländern aktiv."

Michèle Sioen ist auch ein Vorbild für eine Idee, für die sich der VBO selbst seit einiger Zeit einsetzt: "Redefine your business", wandele Dein Unternehmen so, dass Du international gut abschneidest.

Auf die Frage, ob sie Belgien als ein Land mit zwei Strömungen mit unterschiedlicher Dynamik in Flandern und Wallonien erfahre, antwortete sie, dass sie kein Problem mit der Diversität habe. "Es gibt auch Unterschiede zwischen Westflamen und Limburgern".

Zur Tatsache, dass sie die erste Frau an der Spitze des VBO sei, wollte Michèle Sioen nicht näher eingehen. "Ich bin hier in erster Linie als Unternehmerin", sagte sie.