Gefängnisstatistik: Belgiens Platzmangel ist besonders akut

Die Gefängnisse in Belgien stehen an 5. Stelle der Haftanstalten, die zu den überfülltesten in Europa gehören. Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht des Europarates über Strafanstalten hervor, der am Dienstag in Straßburg vorgestellt wurde (SPACE Report).

Auf jeweils 100 Plätze in unseren Gefängnissen kamen 2012 in Belgien knapp 132 Häftlinge. Der Rat nennt Belgien als eines der Länder, neben Serbien, Italien Zypern und Ungarn, in denen das Problem besonders akut ist.

Im Vergleich der 47 Europaratsländer hat Belgien auch den zweithöchsten Anteil Häftlinge, die eine Strafe von 20 Jahren und mehr aussitzen. Das ist drei Mal mehr als im europäischen Durchschnitt.

In Europa saßen 2012 insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen hinter Gittern, die meisten von ihnen in mittel- und osteuropäischen Ländern.

Strenge Strafen in Belgien

Als Grund, warum in unserem Land so viele Menschen im Gefängnis sitzen, nennen Kriminologen strenge Strafen.

"Wenn die Richter in Belgien eine Gefängnisstrafe aussprechen, entscheiden sie sich jetzt mehr und mehr für längere Gefängnisstrafen als das vor 10 oder 15 Jahren der Fall war", erklärt Ivo Aertsen, Professor für Kriminologie an der KU Löwen.

Als zweiter Faktor spiele die veränderte Haltung der Strafvollzugsgerichte eine Rolle, die seit 2006 über vorzeitige Haftentlassungen entscheiden. Die Strafvollzugsgerichte sollen vorsichtiger geworden sein und würden weniger Risiken eingehen, um vorzeitige Haftentlassungen zu genehmigen, heißt es.

Die Gefängnisse auszubauen und neue Haftanstalten zu bauen, hält Aertsen jedoch für keine Option, weil die Kriminalität zurückgehe. "In den letzten 10, 15 Jahren, seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre, sieht man dass die klassische Kriminalität in westlichen Ländern nicht zunimmt, sondern vielmehr gleichbleibt oder sogar teilweise abnimmt. Trotzdem ist die Entwicklung, dass mehr bestraft wird."