EU-Kandidatin Thyssen: "Berlusconi muss weg!"

Marianne Thyssen, die Spitzenkandidatin der flämischen Christdemokraten CD&V für das EU-Parlament, ist der Ansicht, dass Silvio Berlusconi nichts mehr in der Europäischen Volkspartei EVP zu suchen hat. Seine Partei Forza Italia tue gut daran, sich von ihm zu distanzieren. Berlusconi hatte unlängst wieder Nazi-Vergleiche zu den Deutschen gezogen.

Marianne Thyssen pflichtet mit ihren Aussagen dem EVP-Spitzenkandidaten für den Vorsitz der EU-Kommission, dem luxemburgischen Ex-Premier Jean-Claude Junker bei, der die Bemerkungen zu den KZ’s des früheren italienischen Ministerpräsidenten „krankmachend“ nannte, wie die flämische Tageszeitung De Morgen dazu schreibt.

Thyssen ist deutlich: „Die Aussagen Berlusconis sind unter jedem Niveau. Dieser Mann ist eine Witzfigur. Ich fühle mich Null Prozent verwandt mit ihm und ich werde dies im neuen EU-Parlament in meiner Fraktion auch deutlich machen.“ Doch eines dürfen Thyssen und Juncker nicht vergessen: Die Stimmen der Forza Italia, die der EVP derzeit 15 Sitze im Europaparlament bringen, sind zum Erhalt der Mehrheit im europäischen Halbrund vielleicht bitter nötig.

Das ist den EVP-Mitgliedsparteien in ganz Europa bewusst und sie stehen stets mehr unter Druck. Die SPD in Deutschland, deren europäischer Spitzenkandidat Martin Schulz am Samstag von Berlusconi wieder einmal KZ-Bewacher genannt wurde, fordern von Bundeskanzlerin Angela Merkel endlich Maßnahmen und beschuldigt die CDU, den forschen Italiener erst nach den Wahlen vom 25. Mai „exkommunizieren“ zu wollen.

Wenn Europa und die EVP Pech haben, dann hängt die Wahl des zukünftigen Kommissionsvorsitzenden am Ende von einen „überführten Steuerhinterzieher“ ab, wie die Zeitung De Morgen am Mittwoch in ihrem Aufmacher bemerkt. Thyssens Aufruf käme denn auch nicht zu früh.

FILIPPO MONTEFORTE