Verkehrssicherheit: Belgien hinkt hinterher

Nirgendwo werden so viele tödliche Verkehrsopfer, die ihr Leben bei Autounfällen ohne Gegenpartei verlieren, registriert, wie in Belgien. Der europäische Verkehrs-Sicherheitsrat ETSC kritisiert unser Land in dieser Hinsicht scharf, wie die flämische Tageszeitung De Standaard am Mittwoch dazu meldet.

Der European ­Traffic Safety Council (ETSC) geht mit den belgischen Verkehrsbehörden streng ins Gericht und wirft unserem Land vor, in Sachen Sicherheit von Autofahrern und deren Mitfahrern auf EU-Ebene hinterher zu hinken. Zwar hat sich die Situation im Zeitraum 2001 bis 2012 um einiges verbessert, doch die Straßen sind in fast allen EU-Mitgliedsländern sicherer geworden, als in Belgien. Nur in Litauen, Polen, Tschechien und Ungarn verlieren mehr Menschen als bei uns ihr Leben im Straßenverkehr.

Auf gleich drei Ebenen bleiben die Statistiken in Belgien verkehrstechnisch seit vielen Jahren konstant hoch: Im Bereich Kinder, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen, im Bereich tödliche Verkehrsunfälle durch Trunkenheit am Steuer und im Bereich Verkehrstote bei Unfällen ohne Gegenpartei. In Belgien verlieren bei solchen Unfällen 60 % der Opfer ihr Leben, während der europäische Durchschnitt hier bei 43% liegt, wie der ETSC statistisch erfasste.

Den Grund haben die europäischen Sicherheitsexperten im Sachen Verkehr schnell ausgemacht: Die Autofahrer in Belgien haben offenbar mit dem Respekt vor Tempolimits nichts am Hut. In ländlichen Gegenden in Belgien sollen sich laut ETCS nur knapp die Hälfte aller Autofahrer an die vorgeschriebenen Richtgeschwindigkeiten halten. Nur die Dänen rasen offenbar noch mehr, doch sie haben, wie De Standaard dazu schreibt, mehr räumliche Freiheiten auf ihren Straßen.

Bei Regen: „Runter auf Tempo 70!“

Am Dienstagmorgen hatte es fast überall in Belgien ein Wenig geregnet und doch wurde die morgendliche Stoßzeit von rund 375 km Stau heimgesucht. Willy Meermans, Verkehrsfachmann an der Universität Hasselt (UHasselt/Limburg), stellt fest, dass viele Autofahrer ihr Fahrverhalten nicht an die jeweilige Verkehrs- oder Wettersituation anpassen: „Ich sehe nur eine Lösung: Eine verpflichtete Richtgeschwindigkeit von 70 oder höchstens 90 km/h bei Regen!“ Aus Zahlen des Belgischen Institutes für Verkehrssicherheit (BIVV) ist ersichtlich, dass jeder 10. Unfall um Land bei Regenwetter vorkommt.