Krankenhäuser in Belgien vor dem wirtschaftlichen Aus?

Jüngste Zahlen belegen es: Die belgischen Krankenhäuser stehen kurz vor der Pleite. Das schreibt die französischsprachige Zeitung Le Soir. Sie hat die Statistik zur Rentabilität der Krankenhäuser in Belgien analysiert. Aus der exklusiven Umfrage Belfius geht hervor, dass zahlreiche Krankenhäuser besonders sparsam sind und stets mehr Patienten behandeln (+ 0,45 % im Jahr 2012 im Vergleich zum Jahr davor) und deren Krankenhausaufenthalt immer mehr gekürzt wird (die Aufenthaltstage wurden um 0,57 % gedrosselt). Trotzdem verzeichnen die Krankenhäuser immer weniger Umsatz. Das gilt offenbar sowohl für öffentliche als auch für private Einrichtungen.

Die regionalen Unterschiede der Einrichtungen sind zwar groß, aber insgesamt zeige das Ergebnis, dass die Krankenhausmaschinerie, wie sie jetzt funktioniere, im Durchschnitt nur noch 0,7 Prozent des Umsatzes erziele. Eine Zahl, die bei den privaten Einrichtungen gar auf 0,5 Prozent sinke.

Obwohl die Krankenhäuser alles andere als verschwenderisch mit ihren Mitteln umgingen, stiegen die Kosten schneller als die Mittel.

Zahlreiche Krankenhäuser in unserem Land stünden also, wären sie gewöhnliche Unternehmen, vor der Pleite oder wären zahlungsunfähig, schreibt Le Soir.

Die Zeitung stellt sich deshalb die Frage, ob die Krankenhäuser ihre Kapazitäten reduzieren müssten, um zu überleben. Auch wenn man sich in dieser Frage uneinig sei, sei sie unter den Managern des Krankenhaus-Sektors kein Tabu mehr.

Die sozialistische Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx habe der nächsten Regierung über ein Orientierungspapier bereits die Aufgabe hinterlassen, ein neues System zur Finanzierung der Krankenhäuser zu schaffen.

Das System solle künftig eher mit Pauschalbeträgen arbeiten als wie bisher die einzelnen ärztlichen Eingriffe abrechnen. Letztere Abrechnungsart würde die Krankenhäuser geradezu dazu veranlassen, die Patienen zu einem übermäßigen Konsum des medizinischen Angebots zu drängen, heißt es.

Allerdings müsse das neue System von strikten Maßnahmen begleitet werden, die die Qualität der Angebote garantierten. Viele Krankenhäuser befürchten jedoch, dass nach der Umwandlung des Systems die Akteure des Sektors ihrem Schicksal überlassen würden.