Anderlecht: Krawall wegen antisemitischem Kongress

Eric Tomas (PS), der Bürgermeister des Brüsseler Stadtteils Anderlecht, untersagte ein antisemitisches Treffen auf dem Territorium seiner Gemeinde, dass der umstrittene Parlamentsabgeordnete Laurent Louis an diesem Sonntag dort veranstalten wollte. Am Sonntagnachmittag versammelten sich rund 400 Personen - Sympathisanten und Gegner des Kongresses - vor dem Versammlungsort und die Polizei musste diese auseinanderhalten.
Nicolas Maeterlinck

Laurent Louis, ein unabhängiger Abgeordneter aus der Ersten Kammer im belgischen Bundesparlament, wollte an diesem Sonntag in Brüssel den so genannten „Europäischen Kongress der Dissidenten“ abhalten.

Den Veranstaltungsort gab er erst am Sonntagmorgen über seine Facebook-Seite bekannt. Es sollte ein Saal im Brüsseler Ortsteil Anderlecht werden, doch noch am Sonntagmorgen untersagte Anderlechts Bürgermeister Eric Tomas diese Veranstaltung auf dem Territorium seiner Gemeinde. Im Vorfeld des Treffens hatte alle Bürgermeister der insgesamt 19 Brüsseler Kommunen angedeutet, dieses Treffen verbieten zu wollen.

Laurent Louis (kleines Foto), ein Provokateur par Exellence, ist aus allen Parteien, bei denen er Mitglied war, rausgeflogen und sitzt jetzt als Unabhängiger im Parlament. Erst vor Kurzem beleidigte er Premierminister Elio Di Rupo (PS) im Parlament als Pädophilen. Jetzt wollte er bei seinem so genannten Dissidententreffen gleich mehrere als antisemitisch bekannte Redner auftreten lassen, u.a. den umstrittenen französischen Komiker Dieudonné, dessen Auftritte in seiner Heimat Frankreich ebenfalls oft verboten werden.

Anderlechts Bürgermeister deutete an, dass er Louis‘ Kongress auch aus Sicherheitsgründen verbiete, denn es könnte auch zu Zusammenstößen zwischen Besuchern und Gegnern der Veranstaltung, was die öffentliche Ordnung in seiner Kommune beeinträchtige.

Zudem, so Bgm. Tomas, habe er die Liste der Gäste des Kongresses gesehen. Darauf hätten gleich mehrere als rechtsextrem, anti-jüdisch und rassistisch eingestrufte Redner gestanden. Belgiens Innenministerin Joëlle Milquet (CDH) teilte mit, hinter dem Verbot der Versnstaltung zu stehen.

Nicolas Maeterlinck

Versammlung trotz Verbot

Trotz des Verbotes der Veranstaltung hatten sich am Sonntagnachmittag rund 400 Personen vor dem Saal in Anderlecht versammelt - sowohl Sympathisanten, als auch Gegner des Treffens.

Die Ordnungskräfte der Brüsseler Polizei hielten die Kontrahenten zunächst auseinander, doch im Laufe des Nachmittags rückte sie mit Wasserwerfern an.

Derweil kündigte Initiator Laurent Louis eine Klage gegen das Verbot seiner Tagung an und sagte, er habe einen „Plan B“ in petto. Inzwischen begrüßen einige jüdische Verbände das Verbot der Veranstaltung.

Am späten Nachmittag blies Louis das Treffen dann von seiner Seite her ab und gab an, wegen des Verbots und der einstweiligen Verfügung gegen ihn und seine Veranstaltung vor den Staatsrat ziehen zu wollen.

Nicolas Maeterlinck