Wieder Streit zum Fluglärm über Brüssel

Belgiens Staatssekretär für Verkehr und Mobilität, Melchior Wathelet (CDH), hat den Flugverkehr über der belgischen Hauptstadt Brüssel angepasst. Jetzt überfliegen weniger Flugzeuge die Innenstadt und die Nachtruhe wurde um zwei Stunden ausgebaut. Aber, nun regt sich Protest in den Brüsseler Regionen, die jetzt mehr Fluglärm erleiden müssen.

Wichtig ist zum einen, dass die Nachtruhe für Starts- und Landungen am Brussels Airport in Zaventem um zwei Stunden verlängert wurde. Das bedeutet, dass Flugzeuge zwischen 22 Uhr am Abend und 7 Uhr morgens nicht mehr über dichtbesiedelte Gebiete in der Hauptstadt fliegen dürfen.

Staatssekretär Wathelet (Foto) beließ es nicht dabei und passte auch die Flugzeiten der Flugkorridore über Brüssel an. Das bedeutet, dass jetzt auch tagsüber weniger Flugzeuge über das Zentrum der Hauptstadt und über die Gemeinden Etterbeek, Watermaal-Bosvoorde und Oudergem fliegen. Dafür aber ist jetzt wieder mehr auf der so genannten „Ikea-Route“ über Zaventem selbst, über Tervuren und über Bertem in Flämisch-Brabant los.

Des einen Freud‘, des anderen Leid, könnte man dazu sagen. Über der Stadt Brüssel herrscht jetzt wieder deutlich mehr Ruhe, doch über die Randgebiete der Hauptstadt und über einigen Ortschaften in der benachbarten Provinz Flämisch-Brabant fliegen wieder mehr Flugzeuge und der Protest ließ einen Tag nach Wathelets Ankündigungen auch nicht auf sich warten.

"Unannehmbar"

Eric Van Rompuy (CD&V - Foto), flämischer Abgeordneter, Stadtratsmitglied in Zaventem und der Bruder des amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy, sagte am Mittwochmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass das Vorgehen Wathelets „unannehmbar und nicht rechtsgültig“ sei. Nach Ansicht Van Rompuys habe Wathelet den Fehler gemacht, die Regelung seines Vorgängers Etienne Schouppe (CD&V), die seit zwei Jahren Ruhe in die Sache bringen konnte, zu verändern. Dies habe danach zwar den Sint-Pieters-Woluwe und Sint-Lambrechts-Woluwe etwas Entspannung gebracht, doch andernorts für Proteste gesorgt.

Eric Van Rompuy schließt sich den Aussagen eines Schreibens von Seiten der Vizepremierminister der belgischen Bundesregierung an Premier Elio Di Rupo (PS) an. Dort wird einhellig gefordert, das Thema Fluglärm über Brüssel auf die Tagesordnung der Regierung zu setzen. Vor den Wahlen am 25. Mai 2014! Dieses Thema taucht in den vergangenen Jahrzehnten jedes Mal wieder auf, wenn Wahlkampf herrscht. Beobachter stellen schon jetzt die Frage, ob Wathelet die Proteste der Bewohner der betroffenen Innenstadtgemeinden so schnell erhört hätte, wenn in diesem Monat keine Wahl anstehen würde.