Verhofstadt ein "Geldhai"? Kritik in den Niederlanden

In den Niederlanden wird Kritik gegen den belgischen Ex-Premierminister Guy Verhofstadt laut, der für die europäischen Liberalen Alde für das Amt des nächsten EU-Kommissionsvorsitzenden kandidiert. Niederländische Europakritiker werfen Verhofstadt seine hohen Nebenverdienste vor.

Am Dienstag berichtete der niederländische Privatsender RTL Nieuws, dass Guy Verhofstadt, Spitzenkandidat der flämischen Liberalen Open VLD bei den Europawahlen und Kandidat der europäischen Liberalen Alde für das Amt des EU-Kommissionsvorsitzenden, unter den drei Kandidaten für diesen Posten der Großverdiener sei. Verhofstadt, so RTL Nieuws, verdiene alleine dieses Jahr rund 230.000 € zusätzlich zu seinem Gehalt als EU-Parlamentarier.

Der niederländische Premierminister Mark Rutte, Vorsitzender der niederländischen Liberalen VVD, unterstützt die Kandidatur Verhofstadts und sagte, dass dieser stets transparent zu seinen Nebenverdiensten gewesen sei und dass ihm nichts Unrechtes vorzuwerfen sei: „Verhofstadt hält sich immer an die Regeln“ und deshalb sei ihm auch nichts vorzuwerfen. Doch der ausgewiesene Europakritiker und Rechtspopulist Geert Wilders (PVV) sieht im „Fall Verhofstadt“ wieder ein gefundenes Fressen und fordert, dass dieser seine Kandidatur zurückzieht. In den Augen von Wilders ist Verhofstadt ein „Supergeldhai“.

Doch auch von Seiten der niederländischen Linkspartei SP kommt Kritik gegen Verhofstadt. Dort hält man dessen Nebenverdienste für „lächerlich und für echt skandalös“. Natürlich ist auch in den Niederlanden Wahlkampf und wohl auch deshalb nutzte SP-Parteichef Emile Roemer den „Fall Verhofstadt“, um der VVD und der linksliberalen D66 vorzuwerfen: „Und ausgerechnet von so jemanden seid ihr Fans.“

"Kein Zufall"

Guy Verhofstadt wundert sich nicht, dass man ihm seine Verdienste gerade jetzt vorwirft. Vor rund einem Monat hatte man ihm so etwas auch in seiner belgischen Heimat vorgeworfen: „Diese Informationen haben immer öffentlich zur Verfügung gestanden: beim belgischen Rechnungshof, auf der Webseite des EU-Parlaments und in den Jahresberichten“. Dies bestätigte auch der niederländische TV Sender RTL Nieuws im Nachhinein.

Guy Verhofstadt verdiente bei der belgischen Investmentgesellschaft Sofina im vergangenen Jahr 130.500 € an Vergütungen und Sitzungsgeldern. Bei der niederländischen Versicherungsgesellschaft APG verdiente er 2012 genau 42.840 € und bei der Reederei Exmar noch einmal 60.000 € im vergangenen Jahr.