"Bulldozer, Minenräumer", einer der besten, Politiker des 20. Jahrhunderts

Die Zeitungen hierzulande berichten über den ehemaligen Premierminister Belgiens, den "großen belgischen Staatsmann" Jean-Luc Dehaene, der am gestrigen Donnerstag in Frankreich unglücklich fiel und starb. "Abschied von einem politischen Schwergewicht" titelt Het Belang Van Limburg und "Abschied von einem Staatsmann", heißt es in De Tijd. Auch die französischsprachigen Zeitungen ehren den "Mann, der Belgien veränderte" (La Capitale) und L'Echo hebt ihn auf einer Fotomontage wie einen Engel in den Himmel.

Der ehemalige belgische Premier Jean-Luc Dehaene hatte mehrere Spitznamen, einer war "Klempner". Architekt passe besser zu ihm, schreibt die Zeitung De Tijd. Mit seinem Tod gehe der beste Nachkriegspremier dieses Landes verloren. Politiker von heute konzentrierten sich zu sehr auf kurzfristige Termine oder auf die Wahrung, weil die Menschen Angst hätten vor Veränderung. "Um mehrere Dinge zu bewegen, brauchen wir dringend mehrere neue Dehaenes", so die Zeitung.

De Standaard schreibt: "Gott sei Dank, gab es Menschen wie ihn, um die Drecksarbeit zu erledigen." Am Ende seines Lebens wollte Jean-Luc Dehaene sagen können,dass er zumindest versucht habe, die Welt ein Stückchen lebenswerter zu machen, so Hugo De Ridder im Rückblick auf Jean-Luc Dehaene.

Und Bart Sturtewagen betitelt seinen Kommentar hierzu mit: "Pfadfinderjunge bis zum Schluss". Er meint damit, dass Dehaene noch bis zuletzt dem Land und Europa pflichtbewusst seine Dienste anbot. Man denke nur an den vergifteten Dexia-Fall und Brüssel-Halle-Vilvoorde. "Der Einsatz für die Gemeinschaft war typisch für ihn und er war pragmatisch und tatkräftig dabei." Ein Vorgehen, das heute so nicht mehr funktionieren würde, das habe er selbst auch begriffen. Jetzt, da er aber von der Bühne verschwinde, stelle sich mehr und mehr die Frage, wie es weiter gehen soll.

Aufgeschobenes Glück" lautet der Titel von Jan Segers' Kommentar in Het Laatste Nieuws. "Gesund sah er aus. Fitter, schärfer, kurz: Besser als in der Zeit, in der er Premier war. Oder sagt man das nicht gegenüber einem Krebspatienten? Wohl aber, wenn der Patient Jean-Luc Dehaene heißt. Dass er vorhatte, noch lange zu leben, sagte er letzten Monat. So sah sein Terminkalender damals aus: Ferien in Frankreich, zur rechten Zeit zurück für den Titel vom Club und danach nach Lissabon zum Finale der Champions League. Dieses Vorhaben datiert vom 16. April. Heute ist der 16. Mai und er ist tot, Jean-Luc Dehaene. Wenn auch plötzlich und unerwartet. In neun Tagen entscheidet Belgien über seine Zukunft. Gestern verlor es einen Teil seiner Vergangenheit."

"Jahrzehnte lang war Genießen etwas für später. Bis später zu spät schien", schreibt Het Laatste Nieuws. Die einfachste Lebensweisheit laut Jan Segers sei deshalb: "Lösen Sie nicht nur die Probleme, wenn sie sich stellen. Greifen Sie auch nach dem Glück, wenn es da ist. Heute noch, denn morgen kann es zu spät sein. Ruhe in Frieden, Premier."

Auch die französischsprachige Presse hat lobende Worte für ihn. Die Zeitung L'Echo hebt ihn gar symbolisch mit einer Fotomontage in den Himmel. Im Kommentar heißt es "Belgien verliert einen Staatsdiener".

"Behalten ihn die Lehrbücher als Staatsmann, als Diener der öffentlichen Sache, in Erinnerung, so werden sich viele Belgier noch lange an diese Herzlichkeit, an diese Urwüchsigkeit, erinnern, die einer Generation von Fotografen ein Geschenk des Himmels machte und die letztlich viel sympathischer war als man, wenn man ihn mit seiner schmucklosen Brille und seinem arbeitswütigen Wesen auf den ersten Blick sah, annehmen könnte."

La Dernière Heure nennt ihn wiederum "den Vater des modernen Belgien" und die Zeitung La Libre Belgique bringt auf ihrer Titelseite ein großes Foto von Dehaene und nur zwei Zeilen, die alles sagen: "Kein Kommentar", "1940 - 2014".