N-VA weiter über 30%, aber nicht bei Europawahlen

Wären heute Wahlen, würden die flämischen Nationalisten von der N-VA bei den flämischen und föderalen Wahlen wieder als Sieger mit über 30 Prozent hervorgehen. Bei den Europawahlen würde die Partei allerdings auffallend weniger gut abschneiden. Das geht aus der jüngsten Umfrage unseres Hauses VRT und der Zeitung De Standaard hervor. Die flämischen Christdemokraten CD&V würden etwas besser abscheiden als bei der Umfrage von letztem Monat und die flämischen Liberalen, Open VLD, scheinen wieder etwas Terrain zu verlieren.

Die Umfrage wurde im Zeitraum zwischen dem 5. und 13. Mai, also mitten in der Wahlkampagne, durchgeführt. Ein nicht unbedeutendes Detail ist zu bedenken: Es ist nicht auszuschließen, dass der Tod von Alt-Premier Jean-Luc Dehaene (CD&V) die Ergebnisse am 25. Mai beeinflussen könnten, aber in welche Richtung, ist nicht vorhersehbar. Wird die CD&V, denen Dehaene angehörte, Aufwind bekommen oder wird es keine Dehaene-Wirkung geben und die flämischen Nationalisten von der N-VA werden gerade aus dieser Situation heraus einen Vorteil ziehen können?

Wie schon bei der letzten Umfrage vergangenen Monat wurde auch dieses Mal wieder getrennt nach den Wahlabsichten für das flämische Parlament, die Kammer und das Europaparlament gefragt. Bei der letzten Umfrage gab es auffallende Unterschiede beim Wahlverhalten in Bezug auf das flämische Parlament und auf das Bundesparlament (also auf föderalem Niveau) - vor allem bei der CD&V und der Open VLD. Diese Unterschiede scheinen inzwischen weitgehend abgeebbt zu sein. Dies könnte das Ergebnis einer Kampagne sein, bei der föderale und regionale Themen nicht deutlich voneinander abgegrenzt werden.

Was die Europawahlen betrifft, so sind die Wahlabsichten der befragten Belgier offenbar ganz anders als bei den föderalen und flämischen Wahlen. Auf Europaebene schneidet nämlich die CD&V als die größte flämische Partei ab und muss die N-VA starke Rückschläge im Vergleich zur letzten Umfrage hinnehmen.

Wahlabsichten im Detail

Eine Woche vor den Wahlen bestätigt die Umfrage, was sich bereits seit längerem grob abzeichnete. Wären heute Wahlen, bliebe die N-VA, den Umfragen zufolge, die größte Partei mit 32 Prozent. Die CD&V würde 20 Prozent holen. Bei den Europawahlen hingegen sähe es für die flämischen Nationalisten weniger gut aus. Hier würde die N-VA nach der CD&V lediglich auf dem zweiten Platz landen.

Für die Kammer und das flämische Parlament gibt es kaum  Unterschiede in den Ergebnissen. Die N-VA würde rund 32% erzielen, die CD&V rund 20% auf sich vereinen und die Sozialisten von der SP.A gut 14,5%. Die Liberalen von der Open VLD würden 13,5% holen und die Grünen von Groen 9,5%. Der rechtsextreme Vlaams Belang läge bei 8%. Die linke Partei der Arbeit PVDA würde mit 2,6% die Fünf-Prozentklausel nicht erreichen.

Auffallend ist der große Unterschied zu den letzten Umfrageergebnissen in Bezug auf die Europawahlen, denn hier würden die flämischen Christdemokraten mit 24,3% als erste Partei aus dem Ring steigen und erst danach würde die N-VA mit 20% folgen. Unmittelbar darauf kämen die Liberalen von der Open VLD mit 19,3%, dann die SP.A mit 15,8%, die Grünen mit 11,4% und Vlaams Belang mit 7,7%.

4,2 Prozent hat keine Angaben gemacht

Die Umfrage wurde via Telefon bei 1043 Personen in Flandern im Zeitraum vom 5. bis 13. Mai durchgeführt.

4,2 Prozent der Befragten wollte sich nicht äußern. Das kann verschiedene Gründe haben: Wissen sie noch nicht, wen sie wählen werden oder wollen sie es zwei Wochen vor den Wahlen einfach nicht sagen?