Brabantkillerbande: Endlich ein Durchbruch?

Knapp 30 Jahre nach dem letzten blutigen Anschlag der so genannten „Killerbande von Brabant“ hat die Staatsanwaltschaft von Charleroi am Freitagabend das ganze Land überrascht. Bereits am Montag hat die Polizei einen 68-Jährigen aus Brüssel festgenommen, der an den blutigen Anschlägen Mitte der 1980er Jahre beteiligt gewesen sein soll. Dabei wurden damals 28 Menschen ermordet. Die Ermittler hatten einen Tipp aus Südfrankreich bekommen.

Der Mann soll sich in einer Kneipe in der südfranzösischen Stadt Montpellier mit den Straftaten von damals gebrüstet haben. Nach rund einem Jahr Ermittlungsarbeit ist es den Fahndern gelungen, den Mann zu identifizieren und de 68-Jährigen Jean-Marie T. aus Brüssel festzunehmen. Er wird verdächtigt, einer der Drahtzieher der “Killerbande von Brabant” gewesen zu sein.

Mit Erstaunen musste die Polizei feststellen, dass der Name des Brüsseler Jean-Marie T. bereits Ende der 1990er Jahre in der Ermittlungsakte auftauchte. Zeugen hatten ihn anhand von Phantombildern erkannt. Allerdings mussten die Ermittler ihn damals laufen lassen, weil sie ihm nichts nachweisen konnten. Der Verdächtige streitet die Taten zwar weiterhin ab, doch die zuständige Ermittlungsrichterin hofft, ihn mit DNA-Proben überführen zu können.

Verjährung droht

Die Zeit drängt, weil im November 2015 – 30 Jahre nach der letzten Tat –die Anschläge verjähren und die Täter damit straffrei wären. Nach der Festnahme des Tatverdächtigen werden immer mehr Stimmen laut, die für die Ermittlungen zur „Killerbande von Brabant“ eine Verlängerung der Verjährungsfrist fordern.

Sowohl Justizministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) als auch die frankophonen Christdemokraten CDH haben sich dafür ausgesprochen. Nach derzeitigem Stand verjährt die Akte im November nächsten Jahres.

“Sollten sich der neue Ermittlungsstand als Durchbruch erweisen, wird die künftige belgische Regierung nach den Wahlen sicherlich jede Chance nutzen, um den Fall abzuschließen, der für unser Land ein kollektives Trauma ist”, sagte Ministerin Annemie Turtelboom (Foto) de VRT. Sie hatte in der Vergangenheit auch schon prüfen lassen, ob es sich in dem Fall der „Killerbande von Brabant“ nicht um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt, weil diese nie verjähren.

Die Hinterbliebenen der Opfer haben mit Erstaunen und zugleich mit Zurückhaltung auf die neuen Fahndungsergebnisse reagiert.

Großes Rätsel

Trotz der Festnahme muss vor falschen Hoffnungen gewarnt werden. Es gab im Fall der Killerbande schon 16 Anklagen, bisher allerdings immer ohne Erfolg, sowie zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse, sechs Untersuchungsrichter, unzählige Ermittler und tausende Spuren:

Der Fall ist und bleibt ein großes Rätsel. Steckt die amerikanische Mafia dahinter, die die Supermarktkette Delhaize erpressen wollte? Oder wollten die Täter durch scheinbar wahllose Schießereien vor Warenhäusern gezielt bestimmte Menschen töten? Gehen die Attentate auf das Konto von rechtsextremen Kräften? Oder wollten polizeinahe Personen den belgischen Staat gezielt terrorisieren? Es gab in der Vergangenheit tatsächlich schon unzählige Thesen, wer hinter diesen Anschlägen stecken könnte.

Vielleicht ist der jetzt festgenommene Jean-Marie T., der Mann mit der Nummer 17 auf der bekannten Liste der Phantombilder, doch der Schlüssel zur „Killerbande von Brabant“.