Presse: Dehaene-Effekt bei der Wahl?

In der Wochenendpresse werfen verschiedene Leitartikler die Frage auf, ob der unerwartete und plötzliche Tod des beliebten christdemokratischen Alt-Premiers Jean-Luc Dehaene am vergangenen Donnerstag die Wahlentscheidung der Belgier beeinflussen wird. Am kommenden Freitag, zwei Tage vor den Wahlen, wird auf Wunsch der Familie ein schlichtes Staatsbegräbnis stattfinden.

Acht Tage vor der Wahl veröffentlicht De Standaard die gemeinsam mit dem flämischen Rundfunk VRT durchgeführte letzte Umfrage vor dem Wahl-Marathon am kommenden Sonntag. Demnach bleiben die flämischen Nationalisten N-VA unangefochten stärkste Kraft mit knapp 32 Prozent der Stimmen. Allerdings können die flämischen Christdemokraten CD&V aufholen und landen bei fast 20 Prozentpunkten.

Het Laatste Nieuws hält fest: „N-VA-Chef Bart De Wever hat das Spiel noch nicht gewonnen. Denn jeder dritte Wähler ist noch unentschlossen. Unbekannt ist auch der Einfluss des plötzlichen Todes von Jean-Luc Dehaenes auf den Urnengang. Es mag jetzt vielleicht ein wenig taktlos erscheinen, sich so kurz nach dem Ableben des ehemaligen Premierministers Gedanken darüber zu machen, wie das Ereignis die Wahl beeinflussen wird. Fakt ist aber: Es wird einen Dehaene-Effekt geben. Die flämischen Christdemokraten hoffen auf den Staatsmann-Bonus und bei der N-VA befürchtet man hinter vorgehaltener Hand, dass der Tod von Dehaene die Nationalisten unter der 30-Prozent-Marke halten könnte.“

Het Belang Van Limburg ist überzeugt davon: „Jean-Luc Dehaene wird seiner Partei, der CD&V, mit dem Staatsbegräbnis zwei Tage vor der Wahl einen letzten Dienst erweisen.“

Gazet Van Antwerpen fügt hinzu: „Der Wahlkampf ist bis auf weiteres ausgesetzt. Stattdessen sprechen alle – zu Recht – über die Verdienste des Brückenbauers und Kompromissmachers Jean-Luc Dehaene. Die Brücke zu seiner Partei ist für den einen oder anderen dann auch schnell geschlagen“. (Quelle: brf)