"Die Leute haben das Tauziehen um Belgien satt"

Belgiens scheidender Premierminister Elio Di Rupo (PS) ist der Ansicht, dass die Menschen in Land von weiteren Streitigkeiten zwischen den Regionen und den Sprachengemeinschaften langsam die Nase voll haben. In einem Interview mit der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws sagte er, dass dies die Nationaldemokraten der N-VA auch wissen würden.

Da die N-VA inzwischen selbst verstanden habe, dass die Bürger und Wähler nach der 6. Staatsreform weiteren zwischengemeinschaftlichen Streitereien zwischen Flamen und Wallonen überdrüssig seien, habe sie ihren Fokus jetzt auf sozialwirtschaftliche Themen verlegt, so Premier Di Rupo gegenüber Het Laaste Nieuws:

„Ich habe in den vergangenen Jahren Belgien in allen Richtungen durchkreuzt und überall, wo ich hinkam, habe ich das gleiche Verlangen nach zwischengemeinschaftlicher Entspannung gespürt. Die Leute haben dasTauziehen um Belgien satt. (…) Oder hören Sie das Wort ‚Konföderalismus‘ noch oft? Ich nicht!“

Über seine Haltung in diesem Wahlkampf und über seine Herangehensweise daran ist er deutlich: „Ich bin als Politiker niemals ein Kriegshetzer gewesen. Das liegt nicht in meiner Natur. Ein Wahlkampf macht aus mir kein Tier. Ich kann voll und ganz Sozialist sein, ohne gleich grob in meiner Sprache zu werden.“

"Eine Woche lang habe ich das Schlimmste befürchtet"

Wie zu erwarten war, ist der frankophone Sozialist Di Rupo mit den Leistungen seiner Regierung zufrieden: „Belgien ist heute ein gesundes Land und zwar auf jeder Ebene: gesellschaftlich, sozial, wirtschaftlich. Sogar auf gemeinschaftlicher und regionaler Ebene. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, dass vor drei Jahren jegliche Stabilität verschwunden war.“

Elio Di Rupo gab allerdings gegenüber Het Laatste Nieuws zu, dass er während der langen Krise nach den Parlamentswahlen 2010 mit dem Schlimmsten für Belgien gerechnet habe: „Der Haushaltsspielraum war gleich Null. Eine Woche lang habe ich das Schlimmste befürchtet. Wäre es damals, nach mehr als 500 Tagen vergeblicher Koalitionsverhandlungen zu Neuwahlen gekommen, wären wir in einem anderen Land wachgeworden. Mit einer separatistischen Partei, die noch viel stärker geworden wäre.“