Arbeitsmarkt: Unterschätzt De Wever die Lage?

Bart De Wever, Vorsitzender der flämischen Nationaldemokraten N-VA und Bürgermeister von Antwerpen, hat mit seiner Aussage, dass jeder, der gut ausgebildet sei und eine starke Bewerbung vorweisen könne, auf jeden Fall in Flandern einen Job finden würde, in ein Wespennest gestochen. Nicht nur seine politischen Gegner sind entsetzt, sondern auch viele Jugendliche, die seit langem aussichtslos auf Jobsuche sind.

Bart De Wever ist der Ansicht, dass eine gute Ausbildung und ein reich gefülltes Curriculum Vitae in der Bewerbung ausreichen, im belgischen Bundesland Flandern schnell einen Job zu finden. Doch damit zogen sich er und seine Partei, die regionalistische N-VA, den Zorn der politischen Gegner im Wahlkampf zu.

Die Christdemokraten der CD&V und das gesamte linke Parteienspektrum warfen ihm vor, sich gegenüber den Langzeitarbeitslosen, den schlecht Ausgebildeten, den Schul- und Studienabgängern oder den Arbeitsuchenden über 50 Jahre im Ton vergriffen zu haben.

Auch die Sozialverbände, die Gewerkschaften, Uni-Professoren und nicht zuletzt die betroffenen Arbeitslosen selber reagieren mit Unmut. In den sozialen Netzwerken fanden sich zwar auch Diskussionsbeteiligte, die der Ansicht De Wevers zumindest in Teilen folgen können, doch vor allem viele jugendliche Arbeitsuchende blasen zum Sturm. Einer, der bereits lange auf Jobsuche ist und der trotz Studium seit einiger Zeit kaum positive Resonanz findet, stellte dem N-VA-Spitzenkandidaten die Frage: „Bitte, erzählen Sie mir, warum das mein Fehler sein soll?“

Zudem befassen sich die Reaktionen auf De Wevers Aussagen auch damit, was denn bitteschön „eine gute Bewerbung“ sei? Oft taucht auch die Frage auf, ob in Flandern derzeit überhaupt ausreichend offene Stellen für die hohe Zahl derer, die wirklich auf Jobsuche sind, zur Verfügung stünden? Und dies im Besonderen für jene, die gar nicht mehr erst wählerisch seien.

"Schickt De Wever Eure Bewerbungen"

In einer weiteren Reaktion auf die Aussagen Bart De Wevers richteten der Vorsitzende der linksradikalen PVDA in Flandern, Peter Mertens, und der flämische Grünen-Politiker Kristof Calvo (Groen) einen Aufruf an die betroffenen Arbeitsuchenden, nach denen diese ihre Bewerbungen nach Antwerpen ins Rathaus, eben zu Bürgermeister De Wever senden sollten. Daran hielten sich am Dienstag einige davon, denn sie gaben dort tatsächlich ihr CV ab. Nicht wenige von ihnen konnten vor Ort belegen, dass sie sich ständig aber aussichtslos bewerben.

Bart Van Malderen, der Fraktionsführer der flämischen Sozialisten SP.A im flämischen Landesparlament, warf De Wevers Parteikollegen und Noch-Landesarbeitsminister Philippe Muyters (N-VA) vor, dass dieser offenbar seinen Job schlecht gemacht habe und er stellte die Frage, ob Bart De Wever dies denn nicht bemerkt habe.